7. KA P.
Bramantes Ho/ im Vatikan
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Abb. 161
Belvederehof',Rom, Lage plan
NachLetarouilly
nun Bramante, dieses Lustschlößchen, seiner hohen Lage wegen auch Torre del Ventogenannt, mit dem Palast in der Tiefe zu verbinden, und Bramante löste diese Aufgabein bewunderungswürdiger Weise (Abb. 161). Es galt einen allmählichen und doch harmo-nischen Übergang zu finden von einer Gartenterrasse, die sich an eine Villa lehnt, bis zueinem Palasthofe. Die oberste Terrasse ist ganz als Garten behandelt, und doch konnte undwollte der Baumeister sie nicht unmittelbar dem Belvedere vorlagern; da das Häuschenviel zu klein war, um einer so großen Ausdehnung von 306 m als Abschlußbekrönungzu dienen, so schuf er hier eine Vorsatzdekoration, ein Gartenmotiv in der kolossalenHalbnische, die auf der Höhe mit einer Loggia gekrönt ist, die den schönsten Ausblickauf die ganze Stadt und Landschaft gewährte. Zu beiden Seiten des Gartens ziehen sichPortikus hin, die nach innen offen sind, nach außen durchMauern das Gefühl völliger Ab-geschlossenheit geben, wie sie der Garten verlangte. In der Mitte ließ der Papst gleich imzweiten Jahre eine prachtvolle antike Schale aufstellen. Die Länge von 306 m war demBaumeister gegeben, die verhältnismäßig geringe Breite von 75 m, die er dazu wählte,erklärt sich aus der Anlage der ziemlich hohen Terrassen; von unten gesehen wirktdurch die Verkürzung die Breite völlig proportional (Abb. 162). Die Portikus der oberenGartenterrasse führte Bramante in gleicher Höhe weiter, die hierfür nötigen Unterbauten,die in der tiefsten dritten Terrasse zu einer dreistöckigen Palastfassade wurden, gabendieser nun durchaus den Charakter eines Binnenhofes. Auch hier lehnte sich, dem obe-ren entsprechend, ein halbrunder Abschluß an den Hauptpalast. Er bildete halbkreis-förmige aufsteigende Theatersitzreihen. Hierdurch konnte der Hof zur Arena benutztwerden; gerade, breite Treppen, die zu der zweiten Terrasse hinaufführten, waren wei-tere Sitze für Zuschauer, die sich zu einer großen Zahl erhöhen konnten; man sprichtvon 60 000, wenn die offenen Loggien zu beiden Seiten mit benutzt wurden. Daß dieserHof wirklich als Festraum gedacht war, zeigen die Stiche, die um das Jahr 1565 ent-standen sind. In diesem Jahre feierte der Vollender des großen Bauwerkes, Pius IV.,die Hochzeit seines Nepoten Annibale von Hohenems mit Ortensia Borromeo mit einemprächtigen Turniere, durch das dieser eben vollendete Hof mit ungeheuerer Pracht ein-geweiht wurde. Von zwei gleichzeitigen Stichen zeigt der eine den Hof im Festgewühl,die Kopf an Kopf gedrängten Zuschauer, das Turnier in vollem Gange, der andere denleeren Hof, das Theater reich mit Statuen geschmückt, die Schönheit der Treppen: diegeraden, die von der untersten Terrasse zur zweiten, weiter die schönen, breiten Rampen-
16 Gothein, Gartenkunst I