Druckschrift 
1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

234

Ruinen Skulpturen

7. KAP.

Ausdruck kamen: die hängenden Gärten seines Prinzen Zagaglia sind nur ein Versuch,Diodors Schilderung der Gärten der Semiramis ins blühend Märchenhafte zu übertreiben.Etwas greifbarer ist der Tierpark. Hier hatte er den Park des Sforza vor den Torenvon Mailand vor Augen. Der fürstliche Park des Filarete ist ringsum von einer hohenMauer eingeschlossen, während niedere den Garten durchziehen, um die Gebiete fürRaubtiere von denen für zahme zu trennen; große Teiche für Enten und Reiher werdengegraben, denn auch dieses Geflügel sollte hier mit Falken und Habicht gejagt werden.Auf künstlichen Hügeln sind Warten errichtet, um die Tiere zu beobachten. Auf derSpitze eines ganz runden Hügels im Gebiete der Raubtiere läßt der Prinz innerhalbeines dichten Gehölzes von Lorbeeren und Fichten eine schöne Kirche nebst einerKlause errichten, die von einem Einsiedler bewohnt wird.

Von jeher war es als ein Vorzug angesehen worden, solch einen heiligen Mann inseinem Gebiete wohnen zu haben. Hier jedoch zuerst verbindet sich diese Einsiedeleiin der romantischen und doch künstlichen Umgebung des Parkes mit einer gewissenSentimentalität. Die Einsiedelei als solche, ebenso wie die Ruine, erscheint als etwas,dem man gerne begegnet. Eine Empfindung, die sich leicht zu Zeiten einstellt, wo sichein Volk viel mit seiner eigenen Vergangenheit beschäftigt. Auch in den Liebesgesprä-chen des Bembo erzählt einer der Mitunterredner, daß er auf dem Felshügel, der denGarten abschließt, ein anmutiges, kreisrundes Wäldchen gefunden habe, in dessenlauschig schönen Gängen ein Einsiedler seinen Aufenthalt genommen habe. Bei denItalienern der Renaissance finden sich hierfür, wie für die Ruinenschwärmerei, nur erstvereinzelte Ansätze. Doch haben die mächtigen Ruinen der römischen Vorzeit die Phan-tasie auch nach dieser Seite mächtig angeregt. Die Sehnsucht, solch ein Stück Ver-gangenheit im eigenen Besitz zu haben, hat nicht nur dazu geführt, Gärten um echteRuinen anzulegen 31 , Vasari 32 berichtet sogar schon von einer künstlichen Ruine,imbarchetto", den der Herzog um das alte restaurierte Schloß von Pesaro anlegte.Im Innern sei eine schöne Treppe wie im Belvedere in Rom gewesen. Auch Polifilogibt in seiner Hypnerotomachia ein höchst romantisches Bild einer solchen Ruine 33(Abb. 158). Doch scheinen dies Ausnahmen gewesen zu sein, man war ja auch in Italienvon einer solchen Fülle echter Überreste des Altertums umgeben, daß diese Art Ver-kleidung zu fadenscheinig war.

Ganz andere Bedeutung als die Ruinen sollten die antiken Skulpturen für den Gartenerhalten. Überall kamen sie aus dem Schutt zutage. Bald waren ihrer so viele, daß dieHäuser sie nicht mehr fassen konnten, und schnell sah man ein, welch ein höchst wirk-samer Schmuck sie für die Gärten waren. Im Anfang des XV. Jahrhunderts machteman die ersten schüchternen Versuche, sie dazu zu verwenden. Gelehrte und Künstlersind die ersten Schöpfer dieser Gartenmuseen. Der Humanist Poggio erzählt, wie er sich indem kleinen Garten, den er um 1438 etwa bei seiner Villa in Terra Nuova angelegt hatte,zuerst antike Statuen im Freien aufgestellt habe. Seine Freunde, die Mitunterredner indem DialogDe Nobilitate", spotten ihn deshalb weidlich aus. Er habe diese Marmor-statuen dort statt seiner mangelnden Vorfahren aufgestellt, um sich den Schein desAdels zu geben. Und stolz nimmt der große Humanist den Spott auf sich: Seinen Adelhabe er sich durch Erforschung und Sammeln der antiken Reste erworben 34 . Wasaber damals noch als neu bekrittelt wurde und den Gärten um die Mitte des Jahr-hunderts noch meistens fehlte, sollte bald zur allgemeinen Sitte werden, je mehr der