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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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6. KAP.

Frühe Klostergärten

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OCH liegen die ersten Anfänge christlich-mönchischer Ansiedlungfür uns im Dunkeln. Wir wissen nur, daß man im Orient einegrößere Neigung zum Eremitentum gehabt hat und daher, selbstals man dort anfing sich zu klösterlichen Gemeinschaften zu-sammenzuschließen, doch die Sonderwohnung in einzel gebautenZellen bevorzugte. Diese Mönche lebten in früher Zeit wie spä-ter als Einsiedler von milden Gaben, die ihnen von außen zu-flössen, daher ist es nicht anzunehmen, daß sich bei ihnen einegeordnete Gartenpflege entwickelt hat. Denn nur die Notwendigkeit, sich durch eigeneArbeit den Unterhalt zu erwerben, hat auch die Mönche wieder dazu geführt, sich mitdem Gartenbau zu beschäftigen.

Im Abendlande scheint die Entwicklung von Anfang an eine andere gewesen zusein. Früh schon findet sich ein Zusammenschluß gleichgesinnter Brüder zu ge-meinsamer Wohnung, persönlicher Besitzlosigkeit und gemeinsamer geistlicher Übung.Aus solchem Geiste sammelte schon der heilige Augustinus gleiche Genossen um sich.In einem Garten," erzählt er selbst von seiner Gründung in Hippo,den der GreisValerius mir geschenkt hatte, versammelte ich Brüder, die mir an guten Vorsätzengleich waren, die nichts besaßen, wie ich nichts besaß, und die mich nachahmten" 1 . Ebensoalso wie einst Plato, Epikur, Theophrast ihre Jünger in ihrem Garten versammelten,wie vordem die heiligen Buddha, von ihren indischen Gläubigen mit einer Gartenheim-stätte beschenkt, sich dorthin zurückzogen, so vereinigte jetzt ein Garten vielleichtmit nicht ganz unbewußter Anlehnung an diese Vorgänger die christlichen geistlichenBrüder mit ihrem großen Lehrer. Augustin hat dann später die Kirche mit ihrer Kloster-anlage hineingebaut 2 , entsprechend den Museen, Exedren und Portikus in den altenPhilosophengärten. Aus diesem Bericht geht zweifellos hervor, daß in diesem Falle dasZusammenwohnen im Garten der Gründung von Kirche und Monasterium voranging.Die Ansiedlung der eigentlichen klösterlichen Wohngebäude hat sich wohl von Anfangan um ein Peristyl gruppiert, und zwar sowohl im Abendlande mit seiner festen Diszi-plin des Zusammenwohnens, wie bei den orientalischen Mönchen, die sich größere per-sönliche Freiheit wahrten; denn auch die Einzelzellen der orientalischen Klöster sindmeist um einen zentralen Hof gruppiert 3 . Das antike Vorbild für diese Bauweise christ-licher Klöster ist so vielgestaltig und trotz größten Formenreichtums, vom kleinen Stadt-wohnhause zur prächtigen villa urbana, doch so durchaus auf einen Urtypus zurück-zuführen, daß es schwer zu sagen ist, woran sich die Mönche anschlössen. Eine solche An-lage entspricht dem Wohnbedürfnis südlicher Völker; sie gab auch den Mönchen zweiDinge, die sie vor allem brauchten: ein gemeinsames Zentrum und möglichste Abge-schlossenheit nach außen. Zweifellos haben vielfach die Klöster verlassene antike Villenfür ihre Zwecke benützt und umgebaut 4 . Hören wir doch nicht selten, daß Landgüterund Herrenvillen den Heiligen von ihren Gläubigen geschenkt wurden 5 . Ganz ohneGebäude wird auch der hortus, den der Greis Valerius dem Augustin schenkte, nicht ge-wesen sein, da hortus ja, wie wir gesehen haben, meist einfach für villa gesetzt wird.Anderseits haben wir die Portikus als Gartenanlage in zahllosen Beispielen gefunden,und wenn zur Seite der alten kaiserlichen Basiliken sich gewöhnlich eine Portikusimmer als Garten bepflanzt fand 6 , so erinnert auch dieses daran, daß die Mönchs-portikus, das Claustrum, immer neben der christlichen Basilika, der Kirche, lag 7 . Vor allem