5. KAP.
Das Tulmidenschloß in Kairo
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liehen Brunnenbäume, wie jenes oben geschilderte Bäumchen, die später in ganz Asienweit verbreitet waren. Wohlriechende Kräuter und allerlei Rosenarten gab es in diesemGarten, aber auch seltsam gepfropfte Bäume sah man dort. Der Araber liebte solchekünstliche Zucht, verschiedenes Obst an einem Baume, verschiedene Trauben an einemWeinstock galten ihm als besonders kostbar, man suchte auch unnatürliche Farben,wie blaue Rosen, zu kultivieren oder Rosen auf Mandelbäume zu pfropfen. Alles dieswies der Tulmidengarten auf, auch Safran säte man und allerlei wohlriechende Kräuterin künstlichen Figuren und geschriebenen Schriften, die der Gärtner regelmäßig mitder Schere beschnitt, daß kein Blatt darüber hinausragte. Nicht zu denken der schönenausländischen Pflanzen, die der Sultan hierher importierte. Weiter erbaute er darineinen Turm aus Teckholz in durchbrochener Arbeit, der als Vogelkäfig diente. Er malteihn bunt aus, pflasterte seinen Boden und machte dazwischen liebliche Flüsse. DasWasser, das den Garten, Pflanzen und Tiere tränkte, wurde durch Sapijen, die ägyp-tischen Radbrunnen, die wir schon aus den Gärten der Pharaonen kennen, herbei-geschafft. Die Vögel, die mit lieblichem Gesänge dies Haus erfüllten, fanden nicht nurihr Bad und ihre Nahrung, sondern auch ihre Nester in niedlichen Tontöpfen, die indie Wände eingelassen waren, bereitet. Außerdem liefen im Garten Pfauen, Hühner undähnliches Getier in großer Menge frei umher. Neben dem prächtigen Vogelhause wirdauch noch eines W T ohnhauses, das Goldhaus genannt, gedacht. Die Wände waren ver-goldet, mit Lapis lazuli ausgelegt, und seltsame Figuren, mit realistischen Kleidernund Schmuck angetan, darin aufgestellt. In diesem Wohnraum war ein Teich, ent-sprechend jenem mit Zinn gefüllten in Bagdad, mit dem noch kostbareren Quecksilberangefüllt, dessen schaukelnde Bewegung dem an Schlaflosigkeit leidenden Sultan, derin einem darüber aufgehängten Bette lag, Ruhe bringen sollte.
Ein anderer Garten Nordafrikas aus dem XVII. Jahrhundert, dessen Trümmer man beiTunis gefunden, besaß ein gewaltiges viereckiges Bassin, in das das Wasser „wie eineMauer herabfiel". An jedem Ende stand ein kostbarer Pavillon, der auf Säulen vonMarmor und Mosaik ruhte. Andere Bassins, Kioske und herrlich schattende Bäumemachten diesen paradiesischen Aufenthalt dem Sultan lieb vor allen andern 343 .
In den arabischen Texten erhalten wir immer eine Fülle von Einzelschilderung: dasVerweilen bei Seltsamkeiten, bei kostbarem Material gibt einen starken Phantasie-eindruck, doch fehlt das anschauliche Erfassen des Gesamtbildes. Um Plan und Ord-nung in die farbige Fülle zu bringen, die so wenig durch Bilder anschaulich gemachtwerden kann, muß man sich doch an die Vorbilder früherer Entwicklung halten,an ägyptische Gartenbilder, die uns die regelmäßigen Palmenalleen, von Bassinsund Pavillons unterbrochen, überliefern, an die Pliniusvillen mit ihrem Xystus, mitFiguren und Blumeninschriftbeeten und den Reihen der Zwergbäume, an persischemit Tieren belebte Parks, mit ihren kleinen Gartenpavillons, die sich im Wasserspiegeln, an byzantinische Wasserkunstgebilde, an pompejanische Hofgärten, ausallen diesen ist der arabische Garten herausgewachsen und auf alle diese wirft errückwärts manch klärendes Licht. Der römisch-hellenistische Einfluß, der auch direktimmer wieder wirksam gewesen ist, zeigt sich in vereinzelten, halb vom Zufall aufbe-wahrten Nachrichten. In einer Erzählung aus Tausend und einer Nacht wird ein Garten,rings von einer Mauer umschlossen, geschildert, diese Mauer war mit allerlei Bildwerkenbemalt, z. B. zwei sich bekriegenden Reitern, außerdem Fußgängern und Vögeln. Höchst