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Bagdad
5. KAP.
regierenden Herrscher Muk'tädör erbaute, das Haus des Baumes genannt. Er lag in-mitten schöner Gärten und trug den Namen von einem Baume aus Gold und Silber,der dort inmitten eines kreisrunden, großen Teiches, vor dem Saale des Palastes undzwischen den Bäumen seines Gartens stand. Dieser Baum hatte 18 Äste von Gold undSilber und zahlreiche Zweige, die mit allerlei Edelsteinen nach Art von Früchten be-setzt waren. Auf den Zweigen saßen Vögel von Gold und Silber, und wenn die Lufthindurchstrich, ließen sie ein wunderbares Pfeifen und Seufzen hören. An der Seite desPalastes zur Rechten und Linken des Teiches standen Bildwerke von 15 Reitern auf15 Pferden, sie waren gekleidet in verschiedene Seiden und Brokate und mit Schwerternumgürtet; in ihren Händen trugen sie Lanzen; sie konnten sich in einer Linie bewegen, sodaß man glauben könnte, jeder wolle seinen Nebenmann treffen 32 . Folgerichtig hatsich hier die Neigung zu naturalistisch-mechanischer Nachbildung bis auf die mensch-lichen Figuren erstreckt. Der goldene Baum und seine singenden Vögel waren auchdem byzantinischen Gesandten nichts Neues mehr. Der Kalif folgte mit seinem kost-baren Schmuck nur einer allgemein verbreiteten asiatischen Sitte. Wo nur ein stolzerHof gehalten wurde, da mußte ein solcher künstlicher Baum angebracht werden.Auch der sizilianische Dichter Ibn Hamdis schildert einen gleichen Baum aus edlemMetall mit mechanisch singenden Vögeln. Nach dem Palast des Baumes interessiertedie byzantinischen Gäste am meisten der sogenannte neue oder moderne Kiosk. DiesesWort: gausak, Kiosk, ist als ein Lustschloß mit seinen Gärten zu verstehen. Er kann unterUmständen so fest sein, daß sich die Kalifen bei Aufständen längere Zeit darin vertei-digen konnten 33 . Dieser „neue Kiosk" war von kostbaren Gärten umgeben. In der Mittelag ein Teich mit Zinn gefüllt, um den herum ein Kanal, ebenfalls mit Zinn gefüllt,das damals teuerer als Silber war, floß. Das Bassin war 30 Ellen lang und 20 breit, undan seiner Seite standen vier prächtige Gartenhäuser mit goldenen Sitzen verziert.Ringsum erstreckten sich die Gärten, in denen 700 Zwergpalmen, jede etwa 8 Fuß hoch,gepflanzt waren. Der Stamm der Bäume war ganz umgeben von geschnitztem Teckholz,das von vergoldeten Kupferringen zusammengehalten war. Diese Palmen trugen großeDatteln und waren so gezogen, daß man zu allen Zeiten reife Früchte fand. In denBeeten wuchsen Melonen und andere Früchte. Die Palme gab allen diesen Gärten dasGepräge, dem Araber war sie der hochverehrte Baum aus seiner Stammesheimat, derWüste, wo sich für ihn mit diesem alles verband, was Kühlung, Schatten, Ruhe undliebliche, vegetabilische Schönheit bedeutete. So brachte er die Palme überall hin undhat nicht wenig zu ihrer Verbreitung auch im Occident getan. Augenscheinlich galt derbloße Stamm des Baumes als häßlich, häufig hören wir, daß er in den Gärten der Rei-chen mit kostbarem Material verhüllt wurde.
Auch im Schloß der Tulmiden in Kairo wird ein ähnlicher Garten geschildert, dender Sultan Rhumarawaih auf einer Rennbahn (maidan) seines Vaters anlegte 34 . Auchhier waren Zwergpalmen gepflanzt, deren Früchte man im Stehen pflücken, ja solche,die man sitzend erreichen konnte, vorzüglich Dattelpalmen. Auch hier waren die Stämmeder Bäume verkleidet mit vergoldetem Kupferblech feinster Arbeit, und zwischen dasKupfer und die Stämme der Bäume hatte man Bleiröhren gelegt, in denen Wasser indie Höhe stieg. Dies verborgene Wasser schien nun direkt aus den Palmenzweigenniederzusprudeln, unten wurde es von kunstvollen Bassins aufgefangen und von dortin Kanälen durch den Garten geleitet. Hier findet sich wohl das Vorbild für die künst-