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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Bagdad

5. KAP.

geschobene Plattform, die vielleicht auch als Garten zu denken ist. Landeinwärts ge-langte man durch ein monumentales Tor in den großen Ziergartenhof, der durch einMittelbassin und längslaufende Kanäle bewässert und geschmückt war. Am Ende isteine Art Grottengebäude, mit Bassin davor, errichtet, dessen Bestimmung noch dunkel ist.Dahinter liegt quer zur Längsrichtung ein anderer umfriedeter Platz, vielleicht ein Ball-spielplatz, eine Anordnung, die an das byzantinische Mesokepion erinnern könnte.Zur Seite des Gartens liegt eine große runde Bodenausschachtung, eine Arena, eingroßes Bassin ? alle Bilder und Rekonstruktionsversuche, auch der hier abgebildete,sind natürlich vorerst rein hypothetisch zu fassen; erst Schilderungen anderer Gärtengeben hier Farbe und Gestalt.

Aber auch wo die literarischen Quellen reicher fließen, wie für die Gärten derHauptstadt Bagdad, ist es schwer, den Einfluß hellenistischer und sassanidischerKunst zu trennen. Die großen Richtlinien in Plan und Anlage sind hier wie inByzanz sehr ähnlich den abendländischen, der innere Schmuck in Bepflanzung, Wasser-künsten und Brunnenanlagen zeigt deutlich asiatischen Geist. Bagdad war mit Aus-nahme der noch kein halbes Jahrhundert dauernden Episode von Samarrä nahezu500 Jahre die Residenz des Beherrschers aller Gläubigen. Seiner günstigen Lage halberhat es trotz der Zerstörung der Mongolen 1270 und mannigfacher späterer Schicksalebis heute seine Bedeutung nicht eingebüßt. Gerade nach der Rückverlegung derResidenz von Samarrä nach Bagdad begann für die Stadt eine große Bauperiode. Da-mals entstand auf dem Ostufer des Flusses der Riesenkomplex der Kalifenpaläste, diemit ihren Gebäuden und Gärten, alle von einer gemeinsamen Mauer umschlossen, eineStadt für sich ausmachten. Schon unter Harun-al-Rashid hatte ein Günstling, der demWein und den Liedern sehr ergeben war, hier in einiger Entfernung von der Stadt einüberaus prächtiges Landhaus angelegt, das er später dem Sohne des Kalifen schenkte,der hier einen Maidan und einen Park für wilde Tiere erbaute. Nach der Rückkehr derKalifen aus Samarrä wurde dies Terrain gewaltig vergrößert und bebaut, so daß byzan-tinische Gesandte, die im Jahre 917 (305 a. H.) am Hofe von Bagdad empfangen wur-den, die Zahl der Paläste auf 23 angewachsen vorfanden. Unter diesen ragte das Hausder Krone, Tajpalast genannt, der Palast des Paradieses, Firduz, und der älteste, dieHasanivilla, besonders hervor. Sie waren von einer gemeinsamen Mauer umgeben, wäh-rend der Palast der Plejaden durch einen 3 km langen unterirdischen Gang mit demHauptpalaste verbunden war. Jeder einzelne Palast war dann für sich wieder von einerMauer umschlossen. Es kam nicht selten vor, daß unbequeme nähere Verwandte insolch einen Palast, als in einer Art Staatsgefängnis, eingesperrt wurden. Sie durften dortalle Herrlichkeit des Ortes genießen, waren von zahlreicher Dienerschaft umgeben,durften aber bei Todesstrafe sich nicht jenseits der Mauern zeigen. So wurde eine Zeit-lang der Palast des Baumes benutzt 31 . Die Gärten der Paläste reichten hinab bis zumTigris, von dessen anderer Seite die alte Weststadt mit ihren Kuppeln und Palästenherüberschaute. Die byzantinischen Gesandten staunten bei ihrem Besuch die Herr-lichkeit dieser Paläste an. Zuerst kamen sie durch Marmorhallen und Portikus dessogenannten Reithauses, eines Palastes, neben dem ein großer Tierpark lag, mit be-sonderen Häusern; verschiedene wilde Tiere: Elephanten, Löwen, Giraffen undLeoparden wurden dort gehalten, die zum Teil zahm genug waren, aus der Hand derBesucher zu fressen. Einer der berühmtesten Paläste der Zeit war aber der von dem damals