5. KAP.
Kontinuität der asiatischen Gartenkunst
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Wohnzimmern, die er in den Zweigen errichtet, zu denen dann schöne und bequemeTreppen emporführen (Abb. 105). In den Ziergärten pflanzt man mit Vorliebe Zypressenund Blütenbäume, während die großen Tierparks weiter bestehen mit ihren langenBaumreihen, ihren Gehegen und Tierzwingern, den großen Spielplätzen für ihrnationales Polospiel, das die Nachbarvölker mit so großer Begeisterung von ihnenlernten. Jener riesige Teppich König Chosros, den die Sassaniden bis zum letzten ihrerHerrscher, Jazdegerd, benutzten, wurde mit den anderen unendlichen Schätzen vonden siegend eindringenden Arabernim Jahre 637 erbeutet. Der Bewun-derung ihrer Geschichtschreiberdanken wir diese Schilderung. Vordiesem Feinde sank die Macht desPerserreiches wie die der Byzan-tiner in den Staub.
Es ist das ganz eigentümlicheSchicksal der asiatischen Kultur,daß sie trotz der ungeheueren Völ-kerumwälzungen, die sie erlebte,stark genug blieb, sich immer aufsneue durchzusetzen. Die Völkerwechselten, die Tradition der Kulturwurde jedoch niemals wesentlichunterbrochen. Ganz mit Recht sahim XIV. Jahrhundert der arabischeSchriftsteller Ibn Chaldun darindie Überlegenheit des Orients überden Occident. „Im Orient", sagteer, „hatten die Künste Zeit, tiefeWurzeln zu schlagen, während einerlangen Folge von Jahrhundertenunter der Herrschaft der Perser,Nabatäer, Kopten, Israeliten, Grie-chen, Römer und anderer Völker.Alle Gewohnheiten des seßhaftenLebens, Gewohnheiten, von denen die Künste nur einen Teil bilden, richteten sich indiesen Ländern so ein, daß sie unauslöschliche Spuren hinterließen" 26 . Unter allenseßhaften Künsten ist die Gartenkunst wohl die seßhafteste, sie erfuhr vornehmlich denheilvollen Einfluß solcher Tradition. Ein Volk trat auch hier unmittelbar in das Erbedes anderen, lernte von ihm und brachte hinzu, was es an Eigenart besaß. Die Liebezu den Gärten ist, dies zeigt alle frühere Entwicklung der Orientalen, ihnen angeboren,ein großer Teil ihres Lebens spielt sich im Garten ab. Die ungeheueren Reichtümer, diein der Hand einzelner zusammenflössen, machten eine Befriedigung aller Wünschedurch Baumeister und Gartenkünstler möglich.
Alles dies lernten die wandernden Söhne der Wüste, die Araber, als sie zu dem Welt-herrschervolke des Orients geworden waren, schnell von den Unterdrückten. Kaum je
Abb. 104Garten aufpersischerMiniatur
Musee des Artsdecoratifs