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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
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Villa des Hadrian, Tivoli

4. KAP.

dem seit der Renaissance bis zur Gegenwart ihr Boden auf das eifrigste durchforschtist, noch nicht festgestellt 123 . Das Gelände erstreckt sich von Nord nach Süd in einerSteigung von etwa 40 m, am Fuße des Monte Arcese, auf dessen Gipfel Tivoli liegt(Abb. 76). Der Haupteingang wird sich immer im Norden befunden haben, da hierdie tiburtinische Straße von Rom vorüberführt und auch die Fassaden der Haupt-paläste sich dieser Seite zukehren. Das Terrain wäre nicht ganz ungeeignet gewesen,um einen großen Prachtaufgang mit Treppen und Terrassen zu schaffen. Aber manliebte es, in allmählicher Steigung den Punkt der Aussicht zu erreichen, wo man dieHauptpaläste erbauen wollte. Der Kaiser hat natürlich auf bequemen Wegen alle ein-zelnen Teile der Villa erreichen können, sicher führten sie durch schöne Gartenanlagen;hiervon ist nichts erhalten, und statt einer eingehenden Schilderung ist aus dem Alter-tum ein einziges Zeugnis, der Bericht des Spartian 124 , geblieben: der Kaiser habe inseiner Villa als Erinnerung an seine Reisen Anlagen gemacht, denen er die Namen be-rühmter Orte gegeben habe, darunterhabe er ein Lykeion, eine Akademie, einPrytaneum,Canopos, Poikile, Tempe, ja sogar eine Unterwelt nachgebildet. Das mochten ihm Sym-bole sein, in denen er seinen Traum von der Wiedererrichtung des Hellenentumsträumte. Diese bunte und von Spartian noch dazu zufällig zusammengestellte Aufzäh-lung aber sollte den späteren Forschern zu einem Erisapfel werden. Ligorio war dererste auf dem Plan und schnell bereit, diese Namen auf die noch vorhandenen Ruinenzu übertragen, und heute ist man darin nur insofern weiter,' als man an fast allendiesen Bezeichnungen zweifelt. Zu den meisten dieser Anlagen gehören unbedingt, jabestimmend die Gartenanlagen hinzu, die durch den jahrhundertlangen Raubbau, derin dieser Villa getrieben wurde, meist bis auf j ede Ahnung verschwunden sind, sodaß die Hoffnung, hierin doch etwas Licht zu schaffen, sehr schwach ist.

Dem von Norden Eintretenden mußte sich, wenn er an Theatern und verschiedenenPortikus vorübergeschritten ist, als der erste, mächtig imponierende Eindruck die 200 mlange Außenportikus dervon Ligorio ,Poikile' genannten Anlage (Nr. 5 des Planes, Abb. 76)darstellen. Sie ragte über einen gewiß in prächtigem Stile gehaltenen Xystus empor undbildete die nördliche Seite einer großen Doppelhalle, deren gewaltige Trennungsmauernoch in ihrer ganzen Höhe steht (Abb. 77). Nach Süden bildete diese Halle eine Langseitedes gewaltigen Hippodroms (5), der in der bekannten Gestalt von allen vier Seiten von ähn-lichen Portikus umgeben war. Um das Terrain zu ebnen, waren ungeheure Erdaufschüt-tungen und Untermauerungen nach Südwesten notwendig. In der Mitte des hier nach bei-den Seiten abgerundeten Hippodroms findet sich ein der Ausdehnung entsprechendesBassin; an der östlichen Schmalseite liegt ein zierliches Gartenhaus und in der Mitte dersüdlichen Langseite eine Exedra. Der Grundplan ist ähnlich wie auf dem Palatin, und dieBepflanzung müssen wir uns wie im Hippodrom der Pliniusvilla denken. Mit Mühe jedochsuchen wir heute die gewaltige Höhe der Hallen an die erhaltene Mauer anzugliedern undsie mit ihrem einstigen Schmucke zu versehen. Es ist uns Neueren, deren Bauten, so im-ponierend sie sein mögen, doch in erster Linie immer Nutzbauten sind, nicht leicht,manchen monumentalen Baugedanken des Altertums zu fassen errichtete man inspäterer Kaiserzeit doch gewaltige Luxusbauten zu rein dekorativen Zwecken. Nur eineeinzige Türe verbindet Nord- und Südhalle. Die Säulenhallen waren wahrscheinlichzweistöckig; die abgerundeten Ecken der Mauern und die kreisförmigen Umdrehungs-hallen weisen darauf hin, daß man mit leichten Wagen darin gefahren ist. Immer aber