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Das Laurentinum des jüngeren Plinius
4. KAP.
wo das Gebäude ihn schützt; weiterhin aber, wo er dem Meeresschaum und Wind aus-gesetzt ist, nicht gedeiht und von Rosmarin abgelöst werden muß. Im Xystus warendie Beete vielleicht von niederen durchbrochenen Steinrampen oder geflochtenem Rohrumgeben, wie auf verschiedenen Wandbildern von Pompeji sie mit größter Zierlichkeitangebracht sind 111 . Der Baumgarten, der auf der anderen, dem Meere abgekehrten Seiteder Portikus liegt, trägt hauptsächlich Feigen- und Maulbeerbäume, die hier allein, aberauch mit großer Üppigkeit, gedeihen. Ringsum sind reizende Spaziergänge eingerichtet,zuerst ein Weinlaubenweg mit weichem Sand bestreut, so daß man mit bloßen Füßendarauf treten kann. Die äußeren, breiteren Fahrwege sind, wie erwähnt, mit Buchs oderRosmarin eingefaßt.
Am Ende von Xystus und Portikus liegt ein Gartenhaus, weit von der Villa entfernt,so daß Plinius sich hierher nach diesem Lieblingsplatz, den er selbst sich erbauthat, den Saturnalien entfliehend, in die Stille zurückziehen kann. Es sind mehrereZimmer darin, darunter ein Wohnzimmer mit anmutiger Veranda mit reizender Aus-sicht auf das Meer, den Villenstrand und die Wälder des Binnenlandes. Die Portikusund der sehr große Baumgarten liegen zwischen diesem Gartenhause und der villafructuaria, der Scheune und Scheuer, die aber doch wieder sehr anmutige Wohnzimmerin sich schließen, die die Aussicht auf den Baumgarten oder auf einen fruchtbarenGemüsegarten, der nach dem Landeingange des Wohngebäudes schaut, genießen. DiesesHauptgebäude hat gar keinen Garten, die Front geht bis dicht an das Meer heran,mehrere Höfe liegen hintereinander, die ersten sind von Sklaven Wohnungen umgeben, dieaber so hübsch und sauber eingerichtet sind, daß man sie auch als Gasträume benützenkann. Das Schönste an der Villa ist der Blick auf das Meer, den die Herrenzimmer desHaupthauses genießen. Da außerdem wegen des ebenen Terrains keine große Aussichtzu erzielen ist, so wird besonders der Rückblick durch die Höfe von dem Hauptraume desHauses, einem großen Triclinium, das in der Mitte der Front gelegen, erkerartig heraus-springt, gerühmt. Die weiteste Aussicht genoß man von zwei Türmen, mit denendiese Villa geziert war, der eine das Haupthaus flankierend, der andere bei der villafructuaria gelegen.
Den äußeren Anblick des Laurentinum können wir uns leicht veranschaulichen aneiner ganzen Reihe von Villenbildern, die wir unter den pompejanischen Wandgemäl-den 112 finden (Abb. 69). Mit geringer Abweichung zeigen sie immer wieder Villen mitTürmen am Meere, meist die Ufer mit Statuen besetzt, von denen Plinius natürlich
Fig. 69
Villa am Meere;
Wandmalerei,
Pompeji
NachComparetti