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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
106
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Die Tusci des jüngeren Plinius

4. KAP.

Abb. 66

Garten, pom-

pejanisches

Wandgemälde

NachComparetti

griechischen Gymnasien, die sich bei Cicero noch so lebendig fand, ganz verschwundenist. Noch aber ist die Säulenhalle, vor der der Garten liegt, geblieben, wie sie einstim griechischen Gymnasium so auch zum römischen Xystus unerläßlich gehört.Dieser selbst aber ist zu einem reichen gepflegten Ziergarten geworden. Hier beiPlinius sind es nicht mehr Bosketts, wie Vitruv sie verlangt, es ist ein Vorgarten,der die doppelte Aufgabe hat, die Fassade zu schmücken und die Aussicht nicht zuverdecken. Er zieht sich terrassenförmig den sanften Abhang hinunter und ist rings-um von einer Mauer umschlossen 91 . Auf der obersten Terrasse, dem eigentlichenXystus, ist ein Parterre in verschiedene, von Buchs eingefaßte Beete eingeteilt. Vordem Fenster des einen Flügels plätschert ein Brunnen, der in ein marmornes Beckengefaßt ist. Über die Gestaltung der Beete sagt Plinius nichts, aber man liebte darinAbwechslung, wir hören von runden, viereckigen Beeten oder auch solchen mitgeschweiftem Rande 92 . Außer dieser Buchseinfassung war zierliche Lattenumzäunungder Beete ebenso beliebt (Abb. 66), und von den Springbrunnen zwischen den Beeten,erzählen die Wandbilder (Abb. 67). Von diesem Parterre führte eine geneigte Böschungzur nächsten Terrasse herab; hier sind erhöhte Rabatten 93 angebracht, die, ausBuchs gezogen, verschiedene Tiere, die einander gegenüberstehen, darstellen. Pliniusspricht in dieser Villa noch verschiedentlich von dem Buchsverschnitt, eine bild-liche Darstellung aus dem Altertum besitzen wir nicht. Die tieferliegende Terrasseist mit weichem Akanthus 94 bepflanzt, der auch hier die Stelle unseres geschorenenGrases ersetzt. Um diese Akanthusterrasse zieht sich ein Weg, der von verschnit-tenem Grün, dem sogenannten opus topiarium, eingefaßt ist. Hiernach, auf einerweiteren Terrasse, sehen wir eine kreisförmige Anlage, von vielgestaltigem Buchsund Zwergbäumen eingefaßt 95 . Stufenförmig geschnittener Buchs verdeckt die nachaußen abschließende Mauer, um jede Trennung zwischen Garten und freier Natur fürden Blick aufzuheben. Denn die Aussicht auf die Landschaft,wo die Natur nicht ge-ringer scheint, als jener Garten durch überlegte Kunst", ist eine unbedingte Forderungfür die Lage der Hauptfront der Villa. So hat sich der Xystus aus der Nebenbahn einerAthletenportikus zu diesem zierlich berechneten Kunstwerk entwickelt, das die Archi-tektur in der Pflanzenwelt festhalten und den Blick vermittelnd in die Ferne leitensollte. Eine bedeutsame Erfindung, um diesen Zweck zu erreichen, war das Ver-schneiden immergrüner Pflanzen. Wann dies überaus wichtige Hilfsmittel architek-tonischer Gartenkunst zuerst angewandt worden ist, wird schwer zu ermitteln sein.Plinius schreibt die Erfindung einem Freunde desAugustus, dem Ritter C. Matius, zu 96 .Wenn wir auch berechtigte Zweifel in die Vorliebe der Alten, solche Erfindungen be-stimmten Namen zuzuweisen, setzen müssen, so ist doch zuzugeben, daß vor derKaiserzeit von dieser gewiß eigentümlichen Pflanzenzucht nicht die Rede ist.