94
Gärten in Rom: Portikus der Livia
4. KAP.
□1
oco OOOOCO
:L
VIA
kostspieligen Anlagen. Es kam die Zeit, die Horaz 37 beklagte, wo die großen Villenmehr und mehr den Ackerbau beschränkten, so daß in den Gärten die Parkbäumedie Fruchtbäume verdrängten, statt Ulme und Olive pflanze man Platane, Myrteund Lorbeer und Blumenbeete, umgeben von prächtiger, schattiger Portikus. Wennauch in diesem Gedichte nicht vergessen werden darf, daß, wie schon der Hinweisauf Cato zeigt, diese Klagen zu dem poetisch-rhetorischen Bestand gehörten, so ge-nügen doch die Nachrichten, die wir über die Bauten der Kaiser und Privaten haben,um die rapide Zunahme prunkvoller Gärten zu erkennen.
Vor allem war Rom selbst in der ersten Kaiserzeit eine Stadt, die nicht nur vonAbb. 58 1 ---------------------------------------------------------------------- einem Kranz blühender Gärten
Porticus Liviae j^aj ^rfTT ^Ct ^ und Villen umgeben war, sondern
aus dem Stadt- •■ =\ \[ (r- J=LJ ° "' ---------- ----- ==== ti , . T „ „, ,,
plan von Rom = ■ 0 „ o „ „ o „ o = o o o o auch im Innern in großen Stadt-
teilen durch ihre öffentlichen undprivaten Anlagen den Eindruckeiner Gartenstadt gemacht habenmuß. Es klingt dürftig und sche-matisch, wenn Vitruv 38 in seinemLehrbuch verlangt, daß man umder Gesundheit willen in denStädten,besonders in der Nähe vonTheatern und ähnlichen Volksver-sammlungsorten , Gartenanlagenmachen solle, vergleicht man da-mit die Fülle von öffentlichenGärten, die die ersten Kaiser derStadt wie ein Schmuckband um-legten. Augustusbesonders, dessenmaßvoller Sinn den luxuriösenPrivatvillen noch abgeneigt war—ließ er doch eine verschwenderischgebaute Villa seiner Enkelin Juliaganz abreißen 39 — sorgte nebstseinen Großen um so mehr für das
<*»»'' ----------------------------------------------------------- — ---------- öffentlicheWohl. AlsVedius Pollio
ihm sein mit protzenhaf ter Pracht errichtetes Haus vermachte, ließ er auch dies dem Erd-boden gleich machen und an seinerStelle, nördlich von den späteren Trajansthermen, dieschöne Portikus der Livia als öffentlichen Garten einrichten. Der kapitolinische Stadt-plan 40 (Abb. 58) bewahrt wenigstens die äußeren Umrisse dieser vielgerühmten Anlage:ein 115 m langer und 75 m breiter Raum war als vertieftes Parterre eingerichtet, in dasan einer Schmalseite eine 20 m breite Treppe herabführte. In der umlaufenden Futter-mauer waren abwechselnd halbrunde und rechteckige Nischen angebracht. Ringsum liefeine Portikus und in der Mitte des umschlossenen Raums lag ein großes Bassin. Diesereinfache Grundplan war natürlich in Bosketts verschiedener Baumarten und mit Blumen-beeten angelegt. Die Wege waren mit Pergolen überschattet; Plinius jedenfalls erwähnteinen wunderbaren Weinstock, der als Pergola die Wege unter freiem Himmel beschat-
^ZCTQ
nyp^