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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Gärten in den Liebesromanen

3. KAP.

Park. Er heißt im Roman ein außerordentliches Werknach Weise der Könige", voneinem Stadion Länge, er ist hochgelegen, mit schöner Aussicht auf die Ebene, so daßman die Wanderer und das Meer und die vorübergehenden Schiffe sehen kann, unddiese Aussicht mit zu einem Teile des Gartens wird. Longus weiß sehr wohl, daßsolch eine Lage im hellenistischen Garten als durchaus notwendig angesehen wird,aber auch bei Homer liegt der Phäakengarten hoch oder doch am Abhang eines Hügels.In der Mitte des Gartens ragt ein Tempel und daneben ein efeuumschlungener Altardes Dionysos. Dieser Tempel gibt dem Bilde eine künstlerische Einheit, die dem Gartendes Alkinoos noch fehlt. Der Hauptteil wird natürlich von Fruchtbäumen eingenommen,deren Arten nicht viel über die Homers hinausgehen, zwischen den Bäumen schlingtsich die Weinrebe. Eingeschlossen ist der Garten durch Alleen von Zypressen, Lorbeer,Fichten und Platanen, die in gleichem Abstände voneinander gepflanzt sind und in derHöhe ihre Zweige verflechten, zwischen ihnen rankt sich der Efeu wie der Weinstockzwischen den Fruchtbäumen. Auch der Blumen wird nicht vergessen. Es sind nochimmer die alten Arten: Rosen, Hyazinthen, Veilchen und Narzissen. Wie Homer stelltauch Longus an seinen Garten die Forderung, daß er Blüten und Früchte zu jeder Zeitbringen müsse. Trotz der Betonung der parkartigen Umgebung ist dieser Garten dochin erster Linie ein Nutzgarten, von gleicher Art wie jener andere, den derselbe Longusmit den Worten schildert:einen Garten nannte ich mein, in dem ich in Alter undMuße ausruhte, welcher seinen Ertrag bringt je nach der Jahreszeit, im Frühling Rosen,Lilien und Hyazinthen und beide Veilchen, im Sommer Mohn, Birnen und alle Äpfel,jetzt Reben, Feigen und Granatäpfel und grüne Myrten. Man könnte glauben, einenHain zu sehen."

Und ebenso wie der Garten hier im Roman erscheint, fordern ihn auch dietheoretischen Schriftsteller seiner Zeit, die wir in der Geoponika gesammelt finden.In der Nähe des Hauses, heißt es dort, muß der Garten liegen, nicht nur, damitmit den Augen seine Schönheit genossen werde, sondern auch sein Wohlgeruch dieLuft erfülle und die Wohnung gesund mache. Denn, wie es an anderer Stelle heißt,das Anlegen eines Gartens ist dem Leben höchst notwendig, sowohl der Gesundheit,wie der Wiederherstellung der Genesenden 109 . Die Pflanzen sollen nicht unordentlichund vermischt gepflanzt werden, als wenn, wie man sagt, die Verschiedenheit eineZierde sei, sondern die einzelnen mögen nach Arten besonders verteilt werden, damitnicht die größeren den kleineren die Nahrung wegnehmen. Zwischen den Bäumenmögen Lilien und Rosen, Veilchen und Krokus gezogen werden, welche durch Anblick,Duft und Nutzen sehr angenehm sind; sie vermehren die Einkünfte des Gartens undgeben den Bienen Nahrung. Ordnung wird also als Haupterfordernis aufgestellt, diegleiche Ordnung, die des Longus Garten zeigt, welche die Bilder ägyptischer Gärten vorJahrtausenden offenbaren, die des Homer streng aufgebaute Schilderung verrät. DesAlkinoos Garten bleibt auch für die Romangärten das Vorbild, auf das man sich mitVorliebe beruft: Glücklich waren die Phäaken, nicht weil sie von Göttern stammten,sondern weil sie vor allem die Gärten schätzten, beginnt eine Schilderung, und derAusruf:Ich glaube den Garten des Alkinoos zu sehen", kehrt häufig wieder 110 . Diemeisten Erzählungen finden eine gewisse architektonische Einheit ihrer Schilderungin einer besonderen Betonung der Mitte. Bei Longus ist es ein Tempel und Altar, inden meisten anderen Romanen finden wir in verschiedenster Weise gefaßtes Wasser.