HHBUHR
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Tempelgärten
3. KAP.
gebung von Tempeln. Doch war und blieb der Hain im Heiligtum ebenso wichtigund notwendig, wie der Tempel selbst. In Delphi lag der Lorbeerhain dicht nebendem Tempel des Gottes, wahrscheinlich auf der Aufschüttung, die im Süden diehohen Substruktionen des Tempels verdeckt haben muß 40 . Euripides läßt Hermesim Ion 41 am Ende seines Prologes in den Lorbeerhain beiseite treten. Daß bei demAsklepios-Heiligtum in Epidauros ein Hain gelegen haben muß, beweist eine In-schrift, wo Neugierige auf einen Baum klettern, um die Schlafenden im Heiligtumzu sehen 42 .
Auch bei den Ausgrabungen beginnt man auf die Haine in der Umgebung der Tempelein Augenmerk zu richten. In Milet ist um den Apollotempel in 60 "bis 100 m Umfangnur eine unbebaute Humusschicht gefunden, auf der mit Recht die Stelle des heiligenHaines vermutet wird 43 .
Allerdings gab es auch heilige Bezirke, die keine Haine hatten, und bei den meistspäten Quellen, die uns davon berichten, muß man mit Vorsicht gerade die Überliefe-rungen von Baumanlagen benutzen. Ein seltsamer Zufall läßt uns die Unsicherheit vonsolchen Traditionen erkennen. Strabo 44 kommt zu dem Poseidontempel bei Onchestos.Ihn hatte Homer dort einen Hain von besonderer Schönheit erwarten lassen, der inder Ilias 45 wie im Hymnus auf Hermes gepriesen wird. Statt dessen findet er einenvon Bäumen und Grün entblößten Ort und enttäuscht schilt er die Dichter, die jedenheiligen Bezirk um des Redeschmuckes willen gleich einen Hain nennen müßten. Etwa180 Jahre später zieht Pausanias 46 des gleichen Wegs und findet jetzt dort einen Hain —die Zeit von 1 Y 2 Jahrhunderten war lang genug, um die Bäume zu herrlicher Höheanwachsen zu lassen, vielleicht war Strabos Unwillen sogar der Anlaß einer neuen Be-pflanzung —; Pausanias bewundert ihn aufs höchste und meint, es sei wohl derselbe,den schon Homeros so gerühmt habe.
Erst in späterer Zeit — und dann wohl zum Nutzen der Tempeldiener — pflanzteman auch Fruchthaine um die Tempel und Nymphenheiligtümer, die im Frühlingdurch Blüten und Wohlgeruch erfreuten 47 . Meist aber empfand der Grieche tief dieUnantastbarkeit seiner heiligen, den Göttern geweihten Bäume 48 . Wie in myke-nischer Zeit finden sich auch auf griechischen Gefäßen des VI, und V. JahrhundertsDarstellungen von heiligen Bäumen, an denen Votivtäfelchen hängen, und häufigerund ausführlicher werden die Bilder auf hellenistischen Reliefs, wo neben der halb-runden Schranke, die den Baum umgibt, noch ein Tor, häufig auch noch eine Säulesteht; ein Zeltdach darüber kündet einen Ruheplatz, und in der Umfriedung, die nacheiner Seite offen ist, war wohl eine Bank angebracht (Abb. 52).
Zu solchen, den hohen Göttern geweihten, heiligen Hainen und Bäumen kamen innachhomerischer Zeit die Heroenheiligtümer: das Grab des Ahnen eines Geschlechtes,des Gründers einer Stadt, an das sich ein besonderer Kult knüpfte, wurde fast immermit Bäumen umgeben, die für so heilig und unverletzlich galten, daß die Athener mitdem Tode bestraften, wer einen, auch den kleinsten dieser Bäume fällte 49 . Fast jedeStadt besaß ein solches mit heiliger Scheu verehrtes Heroon. Uralte Eichen, Ölbäume,von denen nicht einmal die Früchte gesammelt werden durften, Zypressen, die dieEinwohner um ihres schlanken Wuchses willen Jungfrauen nannten, dichtester Schattenältester Bäume kündete bis in späte Zeit überall das Grab des Ahnen an 50 . Furcht-bar aber ahndete auch der Heros einen Frevel an seinem Haine, wie die grause