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3. KAP.
Die kretisch-mykenische Kultur
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AUTE Bewunderung erfüllte die Griechen, als sie zuerst die herr-lichen Parks der orientalischen Großen erblickten. Nichts hatteihre Kultur geschaffen, was sich mit diesen Werken mächtigerGroßkönige und Satrapen messen konnte. Gerade in der klassischenZeit des hellenischen Volkes, in der die andern bildenden Künstein rascher Entwicklung dem Höchsten zustrebten, hören wirnichts von der Gartenkunst. Wir dürfen nicht hoffen, von dieservergänglichsten aller Künste durch Ausgrabungen eine befrie-digende Vorstellung zu erhalten, doch schweigen auch die Zeugen, die uns ein Bild desorientalischen und ägyptischen Gartens erhalten haben, die Dichter, die Geschichts-schreiber und Maler vollkommen, so daß nur ein Horchen auf Zufallsstimmen in derLiteratur es uns möglich macht, die ganz eigenartige und für die Folge bedeutsameEntwicklung des griechischen Gartens zu erkennen.
Eine Erklärung für diese auffallende Lücke in dem griechischen Kulturbilde dergroßen Zeit finden wir in der Verfassung der Polis. Sie bildet den Rahmen, der dasganze geistige und wirtschaftliche Leben des Hellenen umfaßte, und dieser Rahmen botgerade in der Zeit seiner höchsten Anspannung für die Entwicklung einer privatenGartenkunst keinen Raum. Zu allen Zeiten hat diese Kunst ihre bedeutsame Entfaltungerst in den Händen einer bevorzugten, wirtschaftlich kräftigen und ästhetisch verfeiner-ten Herrenklasse gefunden. Die wachsende Demokratie aber wachte eifersüchtig dar-über, daß kein geistiges und wirtschaftliches Übergewicht einer Familie Generationenhindurch eine Sonderstellung gewährte.
Wenn dennoch auch hier der griechische Geist für die Folge Bedeutsames ge-leistet hat, so müssen wir die Entwicklung des Gartens auf ganz neuem Gebietesuchen.
Auch Griechenland hat eine Zeit gesehen, in der die Bedingungen für eine Garten-entwicklung günstig genug lagen: die große Zeit der Kretisch-mykenischen Kultur.Leider aber reicht die Leuchte literarischer Nachrichten nicht bis in diese Zeit zu-rück. Die Ausgrabungen zwar bieten jedes Jahr neue Beweise für die erstaunlicheBedeutung dieser Epoche, die nebeneinander gewaltige, fast übermenschliche Bautenaufführte und eine bis zum äußersten Luxus raffinierte Lebenskunst verrät. Man hatPaläste jeder Art und Größe aufgedeckt, aber der Anhalt für die Anlage von Gärtenist zu unsicher, um mehr als eine Forderung zu sein. Die Burgen des Festlandes zwarsind meist Festungen, deren beschränkter Raum innerhalb der Mauern durch eineMenge dichtgedrängter Häuser neben dem Palast den Gärten einen noch kleinerenRaum gestattet haben wird, als die mittelalterlichen Burgen unserer Zeitrechnung.Anders aber liegen die Dinge in Kreta, wo sich nach unserer heutigen Kenntnis dieseganze Kultur von ihren ersten Anfängen bis zu ihrer höchsten Vollendung entwickelthat. Hier herrschten königliche Geschlechter in tiefem Frieden vom Meere geschützt.Keine Festungsmauern engen ihre Paläste ein. Der Schmuck ihrer Geräte, die Bemalungihrer Vasen, die Fresken, mit denen sie ihre Zimmer zierten, verraten ihre Liebe zurPflanzenwelt; Blumen und Bäume sind mit erstaunlichem Können künstlerisch dar-gestellt (Abb. 46). Mit feiner Berechnung der Lage, vor den rauhen Winden des Wintersgeschützt und im Sommer allen kühlen Lüften offen, baut sich, dem Hügelabhang an-geschmiegt, in drei Stockwerken übereinander der Wohnflügel im Palaste zu Knossos