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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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2. KAP.

Der Zedernwald im Gilgamesch-Epos

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ER frühen und kunstvollen Ausgestaltung des ägyptischen Gartenshat die Geschichte nichts Gleiches zur Seite zu stellen. Wenn esauch scheint, daß der asiatische Orient im Alter seiner Kulturden Wettkampf mit Ägypten aufnehmen will, so sind doch dieDenkmäler der Literatur und viel mehr noch der bildenden Kunst,die von einer Gartengestaltung sprechen, bedeutend später alsin Ägypten. Von wesentlich anderer Seite als die Bewohnerdes Niltales, die gerade die Abnormität ihres Landes zu ihrerGartenkultur führte, gelangten die babylonischen Völker zu einer kunstmäßigenPflege der Natur. Ihnen gebührt das Verdienst, die eigentlichen Schöpfer des Parkeszu sein.

Ein Park kann sich nur in einem von Natur waldreichen Lande entwickeln oderdoch in einem, wo der Boden nicht so kostbar ist, daß man nicht weite Gebiete davonmit waldartigen Anpflanzungen bedecken könnte. In dem historischen Ägypten mußteman zu sehr mit der Kulturnutzbarkeit rechnen. In den Ländern Westasiens lagensogar Wohnungen mächtiger Herrscher inmitten von Wäldern. So erzählt das Gilga-mesch-Epos, die älteste babylonische Heldensage, von einem solchen Waldschlosse. Diewilden Gestalten dieses Epos weisen noch deutlich Züge auf, welche die Herkunft austierischen Halbgöttern verraten. In Feld und Wald haben sie ihre Heimat gehabt, und wiesie der Natur noch nahe stehen, hat auch ihre Freude an der Natur etwas unmittelbarUrsprüngliches: Der König Gilgamesch zieht mit seinem Freunde Engidu aus, um denelamitischen Tyrannen Humbaba, den Wächter des Zedernwaldes, zu erschlagen. Siesuchen ihn, der zum Schrecken der Menschen bestimmt ist, dessen Atem wie ein Sturm-gebrüll im Walde ist, in seiner Wohnung auf. Diese liegt auf einem sehr hohen Berge,der von einem Walde umgeben ist, und die Ankommenden

stellen sich hin und schauen den Wald an:

von der Zeder betrachten sie ihre Höhe,

von dem Walde seinen Eingang,

wo Humbaba einhergeht hohen Tritts.

Die Wege sind gerade angelegt, schön zugerichtet ist der Pfad.

Sie sehen den Zedernberg, die Wohnstätte der Götter, das Heiligtum der Irnini.

Vor dem Berge erhebt die Zeder ihre üppige Fülle,

ihr guter Schatten ist voll Jauchzen,

es birgt sich darin Dorngesträuch, es birgt sich darin dunkler Stechdorn,

es bergen sich unter den Zedern wohlriechende Pflanzen." 1

Von einem eigentlichen Park in späterem Sinne ist hier noch nicht die Rede. Es fehlteinmal die Einfriedigung mit Wall oder Zaun, die den Wald vom Park unterscheidet 2 ,anderseits ist hier ausdrücklich immer nur vom Wald (qistu) die Rede, nicht von Parkoder Garten (kirü), ein Wort, das bezeichnenderweise Baumreihe bedeutet 3 , also schondurch seine Bedeutung eine anschauliche Vorstellung einer regelmäßigen, von Menschengepflanzten und gepflegten Anlage gibt. Immerhin aber ist dieser so unmittelbarwirklich geschilderte Zedernwald des Humbaba mit seinen geraden und gepflegtenWegen auch von einem Waldwärter ist die Rede, mit dem Unterholz von Sträu-chern und wohlriechenden Pflanzen ein Vorläufer, ein Ausgangstypus für die histo-rischen Parks. Tief eingewurzelt ist diesen Völkern die Verehrung für die hochragenden