1. KAP.
Gartenpoesie
25
beete sah. Die Blumen, immer eine Art auf einem Beete, erscheinen reihenweis gezogen.Daß der Bedarf an Blumen besonders in späterer Zeit Kunstgärtner verlangte, ist sicher.Die Reichen haben wohl, wie für alle Verrichtungen, eine große Menge Menschen fürdie Pflege ihrer Gärten verbraucht; der Obergärtner wird oft mit seinem Namen inder Inschrift über dem Bilde ausgezeichnet. In einem Papyrus 63 wird der Gärtner,,quami" mit dem gleichen Worte wie der Garten bezeichnet, er hat am Morgen für dasGemüse, am Abend für den Weinberg zu sorgen. Bei einer Revision der königlichenGärten Setys IL werden 21 Gärtner, Männer, Frauen und Kinder, aufgeführt. Einebesondere Kunst, die der Gärtner erlernen mußte, war das Kranzflechten. Dies war einangesehenes Gewerbe, da die ägyptischen Kränze sehr kompliziert und kunstreichwaren und für Lebende und Tote in großer Zahl verbraucht wurden 64 .
Die innige Liebe für Gärten und Blumen spiegelt sich auch in der ägyptischenPoesie wider. Die Liebeslieder sind, wie das hohe Lied der Hebräer, voller Anspielungenund Vergleiche zum Preise der Geliebten. Im Garten treffen sich die Liebenden, wie imLiedchen von der Sykomore. Ein anderes Liebeslied des Turiner Papyrus knüpft nachArt des italienischen Ritornells jede Strophe an eine Blume und deutet durch ein Wort-spiel auf den Inhalt hin. Eine Strophe gibt ein besonderes anmutiges Gartenbild:
Rotdorn ist an ihm (dem Kranze), man errötet vor dir 6 ^,
und du bist mir wie der Garten,
den ich gepflanzt habe mit Blumen
und allen wohlriechenden Kräutern.
Ich leitete einen Kanal hinein,
um deine Hand zu tränken,
wenn der Nordwind kühl weht.
Der schöne Ort, wo wir uns ergehen,
wenn deine Hand auf meiner liegt,
mit sinnendem Gemüt und frohem Herzen,
weil wir zusammengehen. 4
Ein Weinschlauch ist mirs, deine Stimme zu hören,
und ich lebe davon, dich zu hören.
Wo immer ich dich sehe,
ist es mir besser als Essen und Trinken 66 .