1. KAP.
Gärten im Palast Amenophis IV. in Tell-el-Amama
15
Abb. 15Vorgarten zumPalaste
Amenophis' IV,Tell-el-Amama
Nach Memoiresde la missionfranc. au Caire
ziehung von besonderer Wichtigkeit sein —, ist zwar der Palast des Königs häufigin den Gräbern seiner Großen gemalt, aber wenig läßt sich daraus über den Gartenbestimmen. Auch die Ausgrabungen werden erst allmählich Licht bringen. Nachdem Nil zu muß vor dem Palast ein reicher Blumengarten, wahrscheinlich auf einerTerrasse, gelegen haben. Der König wie die Königin hatten jeder einen Kiosk an derLandungsstelle ihrer Barken, und von hier führten besondere Wege durch die Uferstraßehinauf durch den Vorgarten nach einer Säulenhalle, die den Garten nach dem Palast zubegrenzte 33 (Abb. 15). Daß Amenophis IV. ein großer Blumenliebhaber war, zeigt dieganze Ausschmückung seines Palastes: Sein Schlafzimmer ist rings mit Blumen ausge-malt, die kleinen Hofgärten haben meist ein Bassin, um das ringsumher die herrlichstenBlumen wachsen 34 . Ein gemalter Fußboden, den die Ausgrabungen ans Licht geförderthaben, zeigt in seiner realistischen Blumenmalerei den Schmuck dieser Bassins mitBlumenbeeten, aus denen die Säulen des Gemachs, die das Dach der Halle tragen 35 ,herauswuchsen wie Blütenstengel (Abb. 16). Zweifellos hat Amenophis IV. auch großeparkartige Gärten um seinen Palast gepflanzt, die wetteifern konnten mit denen, diesein Vater in Theben angelegt hatte. Für diese kann als Maßstab ihrer Ausdehnung dasgroße Bassin gelten, das Amenophis III. für seine Gemahlin Teje ausgraben ließ. Es war1 1 / 2 km lang und mehr als 300 m breit. Der König ließ es bei der Jahresfeier seiner Krö-nung im 12. Jahre mit Wasser füllen. Damals fuhr er in der prächtigen Königsbarkemit seiner Königin zum ersten Male darauf und machte es zum Mittelpunkt herrlicherFeste.
Greifbarer wird das Bild der Heiligtümer, die die Könige den Göttern erbauten. Auchhier bringen erst die Bilder des neuen Reiches die Anschauung, wenn auch das mitt-lere sicher schon die Tempel mit Gärten umgeben hat. Es war in der Zeit, wo Ägyptensich mit großen Schritten der Weltherrschaft näherte, als in der langen Reihe derKönige die erste bedeutende Frau aus dem Dunkel heraustritt: die Königin Hat-chepsut. Sie hatte sich die Anerkennung auf dem Throne erzwungen und währendihrer Regierung dem Reiche einen großen materiellen Aufschwung gebracht. Sichund ihren Taten errichtete sie ein glänzendes Denkmal, dem Gotte Ammon zu Ehren,in dem Tempel von Deir-el-Bakhari. Die Bauten Ägyptens samt ihren Gärten warendurch die eigentümliche Beschaffenheit des Landes gezwungen, hochzuliegen. Vonaltersher führten zu den Tempeln, die die Könige den Göttern und ihrer Seele zuEhren errichteten, wie zu ihren eigenen Wohnhäusern langsam ansteigende Zugängevom Flusse her 3Ba . Die Gebäude selbst, Tempel und Palast, lagen häufig auf einer