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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Anwesen des Hohenpriesters Merire

1. KAP.

enthalt in günstiger Jahreszeit gedacht sind, dafür spricht auch der Umstand,daß nichts von Wirtschaftsräumen angedeutet ist; in dem Grundstücke des ge-schlossenen Gartengrundrisses sind sie sicher nicht vorhanden. Auch nur eine Vor-stadtvilla schildert der Setnaroman: Satni, so heißt es dort, ging nach dem Westender Stadt, bis er nach einem sehr schönen Hause kam; es war ringsum von einerMauer umgeben, an der Nordseite hatte es einen Garten und vor der Türe eineTerrasse 29 .

Doch wissen die Grabgemälde auch große Anwesen zu schildern 30 . Der HohepriesterMerire aus Tell-el-Amarna war einer der Getreuen des Königs Amenophis IV. , des kühnenNeuerers, der den Kultus der Sonnenscheibe als Staatsreligion in Ägypten einführteund seine Residenz von Theben nach der Ebene von Tell-el-Amarna verlegte. Das Bild,mit dem das Grab des Merire (Abb. 14) geschmückt ist, zeigt eine große Menge von Ge-bäuden, die verschiedenen Zwecken gedient haben, teils Wohnräume des hohen Priesters,teils des niederen Klerus, teils Schatzhäuser und Vorratskammern des Tempelgutes. Alleaber sind von Gartenanlagen umgeben. Selbst zwischen dem Speicher und dem Schatz-hause sind blühende Pflanzen in schön verzierten Kübeln aufgestellt. Auch der Eingangist hier besonders anmutig durch einen baldachinartigen Vorbau gemacht, und im innerenVorhof steht ein reizender Pavillon. Der Ägypter liebt es, wie wir schon in den früherenGärten sahen, überall besondere Abteilungen mit Mauern und Türen abzuschließen; sosind auch die Höfe noch wieder verschiedentlich abgeteilt, die meisten von ihnen mitBaumalleen bepflanzt. Die einzelnen Bäume sind mit einem kleinen Erdwall und Höhlungumgeben, um das Wasser besser zu halten. Die Hauptgartenanlage nimmt die hintersteEcke ein 31 . Vor dem Hause liegt innerhalb von Baumalleen ein vertieftes Bassin, zu demzwei Treppen herabführen, ein gleiches Bassin liegt auch vor dem schmucklosen Neben-hause. Das Gartenhaus ist konzentrisch gebaut, der innere Teil von einem Kranz vonBäumen umgeben, auf den sich Säulenhallen öffnen. Die Mitte scheint dann eine erhöhtePlattform mit seitlich aufsteigenden Rampentreppen und einem Altar darauf zu sein.Genau axial angelegt, liegt dahinter der Hauptgarten, vom Hause durch einen Zwischen-hof und doppelte Tore getrennt. Die Mitte des Gartens nimmt ein sehr großes, viereckiges,vertieftes Bassin ein; und hier ist im Zentrum, vielleicht für wasserlose Zeiten, ein be-sonders kleiner, tiefer Brunnen ausgespart, neben dem ein Schaduf angebracht ist 32 . DasBassin ist rings von Bäumen mannigfachster Art umgeben: Die bekannten Palmenarten,Sykomore und Granatapfel, sind überaus genau und zierlich gezeichnet. Ein zweiterSchaduf steht am hinteren Ufer des Bassins, und unter den Bäumen vor demselben ent-deckt man noch ein kleines Gebäude, das ein Gartenhaus oder vielleicht auch ein Altarsein kann.

Gar zu wenig wissen wir in diesem Lande, in dem doch alles im Pharao gipfelt undalle Augen allein auf ihn gerichtet sind, noch von den Einzelheiten der großen Paläste,die sich die Könige als Wohnstätten errichteten, da hier weniger die Gräber als dieAusgrabungen berichten müssen. Waren schon die Wohnungen der Großen so reichmit Gärten umgeben, so verlangt man wohl mit Recht, daß die Königsgärten die derBeamten an Größe und Schönheit übertreffen mußten, ebenso wie der Herrscher anGröße und Schönheit über die Höchsten seiner Untertanen herausragt. Auch in Tell-el-Amarna, wo das unmittelbare Verhältnis des Volkes zum König überall deutlich in denBildern zum Ausdruck kommt mußte ihm doch die gewinnende, persönliche Be-