Druckschrift 
1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

Garten des Heerführers von Amenophis III.

l.KAP.

schattigen, in symmetrischer Regelmäßigkeit angeordneten Alleen von Sykomoren undverschiedenen Palmen, Dattel- und Dumpalmen, durchzogen. Auch in dem ganzenübrigen Garten herrscht strengste Symmetrie, kleine Mäuerchen zerlegen ihn in achtkorrespondierende Teile von verschiedener Größe. Der Hauptteil, in dem das Haus liegt,umklammert den Weingarten, er hat außer den verschiedenen Alleen zu beiden Seiten desHaupthauses zwei kleine, zierliche, offene Pavillons mit Blumenbeeten davor, die aufzwei rechteckige Bassins schauen, deren Ränder mit grünem Rasen (?) bepflanzt scheinen;auf dem Wasserspiegel schwimmen Enten und schaukeln sich Lotosblüten. Zwei gleicheTeiche, nur in anderer Richtung angeordnet, liegen in den beiden vorderen Teilen, diedas Torhaus trennt. Hier schieben sich noch zwei besonders umhegte Baumpflanzungenhinein. Wieder für sich durch ein Mäuerchen getrennt, sind zwei Alleen von allen dreiBaumarten den Seitenmauern entlang gepflanzt. Also: ein Viereck von hohen abschlie-ßenden Mauern umgeben, das Wohnhaus, besonders versteckt, von Bäumen beschattet, dieBassins von Wasservögeln belebt, die Ränder grünbepflanzt, in der Mitte die Weinanlageund ringsumher die Alleen verschiedener Bäume. Fast alle diese Elemente finden wirschon im alten Garten des Met'en. Sehen wir die schöne Regelmäßigkeit des Planes, diereiche Abwechslung der mit klugem Bedacht gepflanzten Bäume, die elegante Form dervertieften Bassins, die höchst zweckmäßig im Garten verteilten Bauten, so müssen wirmit Staunen erkennen, daß hier ein hoher Grad der Entwicklung des regelmäßigenGartens gleich an der Schwelle seiner Geschichte erreicht ist. Symmetrischer Rhythmusund eine glückliche Verbindung von Eleganz und Nutzbarkeit, Forderungen, wie siedie Gartenkunst später oft in jungen aufstrebenden Zeiten gestellt hat, sind voll-endet erreicht. Freude am stillen Mitleben mit der gepflegten Natur und klarer Ord-nungssinn spricht sich hier aus. Dieser wird noch unterstützt durch die Abgrenzungder einzelnen Gartenteile, ein Motiv, das im späteren Garten noch häufig angetroffenwerden wird. Die auffallendste Eigentümlichkeit ist die unbedingte Vorherrschaftdes Gartens, dem sich die Baulichkeiten, das Wohnhaus eingeschlossen, unterzu-ordnen haben.

Nach den neuesten Ausgrabungen in Tell-el-Amarna beginnt auch das Bild desstädtischen Wohnhauses deutlicher herauszutreten. Der pylonenartige Haupteingangscheint mindestens in den Vorstadthäusern immer direkt in den Garten zu führen.Geradeaus liegt dann der große Teich, der in Tell-el-Amarna, wie es scheint, wohlüberall durch Grundwasser gespeist wird. Hinter dem Teiche oder manchmal auchzur Seite erhebt sich ein Kiosk mit Säulenhalle und einem Rampenaufgang in denvornehmsten Häusern. Das Wohnhaus liegt meist zur Seite, der Straße näher zu-gerückt 253 .

Mit Hilfe solcher Grundrisse lassen sich nun mit Leichtigkeit eine Reihe andererGartenbilder ergänzen und erklären. Der gleichen Zeit mit dem eben Besprochenen ge-hört ein thebanisches Grabgemälde an 26 (Abb. n), das eine Besuchszene in einem vor-nehmen Hause darstellt. Auch hier liegt das Haus im Garten, der von einer Mauerumschlossen ist. Die Eingangspforte führt unmittelbar in den Garten; von dort herkommt der Besuch zum Hause, das von allen Seiten vom Garten umgeben ist, wasder Maler durch einen großen Baum und zwei kleine Pflanzen hinter dem Hause an-deutet; auf dieser Seite befindet sich auch noch ein zweites Eingangstor. Das Haushat nach vorne eine offene Vorhalle, wo die Gäste, die den Garten durchschritten

fc

>

f

i

l

,c

l

BL_