1. KAP.
Wein- und Gemüsegärten im alten Reich
Im neuen Reich muß der Waldmangel Ägyptens in etwas durch eine große Reihe vonheiligen Hainen ersetzt worden sein. Von den 42 Gauen, in die Ober- und Unter-ägypten eingeteilt war, besaß jeder seinen Tempel mit seinem heiligen Haine. Vonaltersher war dem Ägypter der Baum heilig, hier aber hatte jeder dieser Tempel einenihm besonders heiligen Baum, der hauptsächlich, wenn auch nicht ausschließlich, indem Tempelgarten gepflegt wurde 15 . Die großen Tempel müssen den Inschriften zu-folge sehr große Besitztümer gehabt haben.
Neben dem Baumgarten legte man schon im alten Reich die Weingärten an 16 .Ägypten ist das älteste Land, in dem Wein gebaut wurde, über die Anfänge herrschtauch hier Dunkel. In der IV. und V. Dynastie erzählen die Bilder das ganze Schicksalder Traube; wie sie zu reifen beginnt, wie die Wächter die Vögel mit Stöcken weg-jagen, wie sie dann gepflückt, gekeltert und der Most in die spitzen fußlosen Krüge ge-füllt wird. Man scheint die Weinstöcke in frühester Zeit in Lauben gezogen zu haben,d. h. es wurden Pflöcke aufgestellt und darüber ein Querbalken gelegt. Das ver-anschaulicht die älteste Hiero-glyphe für Wein (Abb. 6). Dochschon im alten Reich hat manbegonnen, statt der rohen Holz-pflöcke Säulen aufzustellen 17 ,aus denen dann im neuen Reichdie schönen, reich bemaltenSäulenpergolen entstanden sind.Diese Lauben wurden manchmalauch rund gezogen, was ihnenein gefälligeres Ansehen gab 18(Abb. 7). Daß diese Form vonden ersten Gradlinien unterschieden wurde, zeigt eine zweite Hieroglyphe. Schon immittleren, mehr noch im neuen Reiche, werden alle diese Motive in immer reichererWeise ausgeführt. Es bleiben bis in das neuere Reich die Weinlauben Mittelpunktund Hauptsache aller Gartenanlagen 19 .
Welch eine Fülle von Gemüsen der alte Ägypter baute, darum muß man die Opfer-tische befragen, die Gemüsekörbe, die dabeistehen, und die Festzüge. Lange Reihen vonMännern tragen beladene Fruchtkörbe auf den Schultern und Ähren oder Papyrus inden Händen; dazwischen stehen auch schöngeflochtene Körbe, hoch mit Gemüse allerArt beladen. Doch auch schon Darstellungen von Gemüsegärten kennt wenigstensdas mittlere Reich: In ungeschickter Perspektive zeigt ein Bild von Beni Hassan 20quadratische Beete, die mit einem grünen Gemüse bepflanzt sind (Abb. 8). Ein inrundem Bassin endender Kanal ist von grünen Ranken umgeben, um anzudeuten,daß auch er noch im Garten liegt; daneben sind zwei Männer beschäftigt, Wasser zuschöpfen und es über die Beete auszuleeren. Sie fühlen sich als wichtige Personen in derDienerschar ihres Herren, denn beider Namen ist nicht allein durch eine Inschrift überihnen verewigt, sondern in dem großen Zuge der Diener, die ihre Gaben zu den Opfer-tischen vor den Toten bringen, kehren unsere beiden Gärtner mit ihren Namen „Neter-Necht und Nefer-Hetep" wieder; in Körben, die sie auf Querstangen über den Schulterntragen, bringen sie das Gemüse, das sie im Garten erzielt haben, ihrem Herrn dar 21 .
Abb. 6
Weinlaube imalten Reich mitHieroglyphe,Sakkara, Grabdes Ptahhotep
Nach Pagetund Pierie