1. KAP.
Bodenbeschaffenheit Ägyptens
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IE Anfänge aller Gartenkultur fallen mit der Seßhaftigkeit derVölker zusammen. Der Nomade treibt seine Herden auf die freie,nicht umzäunte Weide; sobald aber die erste Frucht, mit der Hackebestellt, den Menschen zwingt, sich in festen Wohnplätzen anzu-siedeln, wird und muß er seinen Fruchtplatz mit einem Zaun um-geben, um ihn vor dem Einbruch der feindlichen Menschen undwilden Tiere zu schützen. Wenn wir also diesen primitiven Garten,d.h. einen umhegten Fruchtplatz, im Gegensatz zu dem freien Feldeansehen, so ist der Garten das Frühere gegenüber der Bewirtschaftung des Feldackers,die erst in einem Lande, in dem die allgemeine öffentliche Sicherheit schon die Flurenschützt, sich entfalten kann. In diesem Sinne hat Herder recht, wenn er auch den Garten-bau älter nennt als den Acker. Erst später lösen sich die eigentlichen Gärten ab, die, inunmittelbarer Nähe des Hauses gelegen, mit Fruchtbäumen und wertvolleren Nutz-pflanzen, den Gemüsen, bestanden, als besonderes Eigentum des Hausbesitzers vonihm mit einer Umzäunung geschützt werden. Daß diese verschiedenen Pflanzen inregelmäßigen Beeten zusammengepflanzt sein mußten, geht aus der Natur ihrer Pflegehervor, die nur bei einer gewissen Ordnung es möglich macht, den Ertrag zu liefern,um dessentwillen der Mensch die Mühe der Wartung auf sich nimmt. In diese erstenStadien der Entwicklung des Gartenbaues vermögen wir natürlich nicht unmittelbarhineinzublicken, auch prähistorische Funde von Kulturpflanzen geben über die Artund Ordnung ihrer Anpflanzung keine Auskunft. Sicher kann man nur schließen, daßauch hier die Entwicklung sich nicht schematisch gleichmäßig vollzogen hat, daß ineinem Lande, dessen Kultur dem Urwalde abgewonnen ist, das Gartenland ein anderesAnsehen gehabt hat als bei dem Oasenbau der wüstenumgürteten Länder.
Gleich an der Wiege aller menschlichen Kultur steht ein Land, das um der eigentüm-lichen Beschaffenheit seines Bodens und seines Klimas willen mit Notwendigkeit zueiner frühen bedeutsamen Entwicklung einer Gartenkultur gedrängt wurde: Ägypten.Ein schmales, langes Tal hat hier der Nil mit seiner wunderbaren selbsttätigen Arbeitder Wüste abgerungen. Und jedes Jahr übernehmen seine Segen und Fruchtbarkeitspendenden Wogen die Arbeit, die der Mensch an anderen Orten mit Mühe und Sorg-samkeit selbst vollführen muß: dem Boden die ihm entzogenen Nährstoffe zuzuführen.Dieses schmale Land aber, das der kostbaren Halmfrucht überaus günstig war, eignetesich schlecht für die Aufzucht größerer Baumbestände oder anderer Dauerpflanzen.Ob Ägypten in prähistorischer Zeit größere Waldbestände gehabt hat, wie dies auspaläontologischen Funden hervorzugehen scheint l , kann hier nicht in Betracht kommen,da dies eine andere klimatische Beschaffenheit voraussetzt. In geschichtlicher Zeit mußteder regenlose Himmel Ägyptens stets einer Waldentwicklung entgegenstehen. Wolltendie Könige dem Vergnügen der Jagd fröhnen, so mußten sie sich mit der angrenzen-den Wüste begnügen; alte Bilder des mittleren Reiches 2 zeigen Hürden, die um Jagd-gründe aufgerichtet sind, wahrscheinlich nur zum Zwecke der Treibjagd; unter denWüstentieren finden sich allerdings auch Hirsche, was beinahe einen Baumbestandverlangt.
Alle Gartenkultur des Landes mit ihren größeren Baumanpflanzungen konnte nurauf den Erhöhungen und Talrändern, wohin der Strom seine Wogen während der Über-schwemmung nicht trägt, angelegt werden. Ihr Gedeihen hing daher von Anbeginn von