XXVIII, Vaticanische Gebete. 157
Boland von späteren Händen eingetragen sind. DieBlätter — und das gilt wahrscheinlich von dem ganzenBrevier — auf denen die Gebete stehen, sind von ganzanderer Hand geschrieben, welche sehr wohl dem12. Jhdt. angehören kann. Die verzierten Initialenkönnen etwas jünger sein. „Die Rückseite des Bl. 6[also im Mainzer Kalendar] enthält ein zierlichesGemälde auf Goldgrund gezeichnet, welches aus zweiTeilen besteht. Im obern Teile erscheint in der Mittedie heilige Jungfrau auf dem Throne mit dem Kind-lein Jesu auf dem Schoosse, zu ihrer Rechten die heil.Katharina, zur Linken die heilige Margaretha mitden Palmen des Martyriums. In der untern Hälfteist der heilige Petrus vorgestellt, die Himmelsschlüsselin der Rechten, das Evangelium in der Linken haltend,auf seiner rechten Seite die heilige Elisabeth, auf derUnken der heil. Nikolaus." Aus dem oberen Teil desBildes wird wenig zu schliessen sein: die hll. Maria,Katharina und Margaretha sind die Schutzheiligender Jungfräulichkeit. Dagegen lässt der untere Teildes Bildes allerhand Schlüsse zu. Der hl. Petrus istdurch die Mittelstellung besonders hervorgehoben. Eiw ird demnach mit der hl. Jungfrau Schutzpatron derNonnen gewesen sein, denen das Brevier gehörte. Dakommt aber in Hinblick auf das Mainzer Kalendaru nd die Sprache der Gebete nur ein Frauenklosterder Mainzer Diözese in Betracht: Hane am Donners-berg beiKirchheimbolanden, dessen Kirche dem hl.Petrusgeweiht war. Die seit 1129 dort ansässigen Augustiner-Chorherren siedelten 1164nachRothenkirchen über unddie in Rothenkirchen ansässigen Prämonstraten-s et innen zogen in Hane ein. Vgl. A. Hauck, Kirchen-geschichte Deutschlands IV S 975, 977; Jaffe-Watten-b ach Regesta 14 644 ; 15219 a S. 768. Erzbischof Kon-r ud I. bestätigt am 10. II. 1189 „die Uebersiedelungder Mönche von Hane (Bolanden) nach RothenkirchenUn d die mit den Nonnen zu Hane vorgenommene Güter-teilung" und noch im selben Jahr „beurkundet er diejjftauschung der Nonnen zu Rothenkirchen mit denMönchen zu Boland, welche von Werner II. von Bo-l <Mden und dessen Gemahlin Gutha zur Zeit des Exils