Anrichte, Speifenkammern, Vorratskeller, Kohlenkeller, Wafchküche, Bodenkammern und was esfei. Mit der Raumeinfchränkung bei durchdachterer Geftaltung ift dann zugleich die wünfchenswerteArbeitserfparnis erzielt, indem weite Wege vermieden und die Reinigungsarbeiten eingefchränktfind, auf die es im Hausbetriebe fo fehr ankommt. Die Dienftbotennot ift im Munde aller Haus=frauen. Jeder erfparte Dienftbote ift aber nicht nur ein Geldgewinn, fondern auch eine Erleichterungdurch Wegfall von Sorgen und Ärger.
Eine weitere, den heutigen Hausbau innig berührende Frage ift die der Möbel. Zwar,folange der alte Beftand aus früherer Zeit noch vorhält, tritt die Möbelfchwierigkeit noch nicht reinin Erfcheinung,- die meiften Bauherren, die fich ein Haus zu bauen entfchließen, leiden nicht an einemMangel, fondern an einem Überfluß an Hausgerät. Ereignet es fich doch noch täglich, daß dasneue Haus deshalb größer gebaut wird, als es nötig wäre, weil Möbel vorhanden find, von denenman fich nicht trennen mag. Bei Neuverheirateten dagegen ergibt fich fofort die ganze Not derZeit. Einen Möbelbeftand nach der früheren Anfchauung anzufchaffen, geht heute auch häufigüber die Kräfte der Wohlhabenden hinaus. Hier fteigt alfo die Erwägung auf, ob denn die früherüblichen Möbelwagen voll Hausgerät als unbedingt notwendig zu betrachten find. Die Frage kannfür das Eigenhaus unter allen Umftänden verneint werden, denn es läßt fich im Haufe felbftfür Gelaffe der verfchiedenften Art forgen. Eigentlich können Schrankmöbel ganz vermiedenwerden, fie werden befler durch Wandfehränke erfetzt, fo daß nur übrig bleibt, Sitzmöbel, Tifcheund Betten anzufchaffen. Das ift fchon ein großer Gewinn. Dann aber brauchen unfere Zimmerüberhaupt nicht mit jener Menge von Möbeln, Nippfachen und Zierftücken vollgeftopft werden,an die fich die Menfchen in den letzten Jahrzehnten gewöhnt hatten. Ein Zimmer von gut abge=wogenen Verhältniflen und gefchmackvoller Farbengebung verbeffert fich nicht durch eine Anfüllungmit überflüffigen Dingen. Es ift viel anfprechender bei fpärlicher als bei reichlicher Möblierung,weil es fo freier, keufcher und heiterer wirkt. Eine Umgewöhnung nach diefer Richtung ift dringendnötig. Die eingetretene Armut wird vielleicht mitwirken, fie herbeizuführen.
Daß, wenn gefpart werden foll, das Haus nicht nur im Innern, fondern auch im Äußern voneinfachfter Geftaltung fein muß, ift im übrigen eineSelbftverftändlichkeit. Jede unnötige Gruppierungim Äußeren, jeder Vor= und Rückfprung, jede Dachverfchneidung erhöht nicht nur die Baukoften,fondern bringt vermehrte Inftandhaltungsarbeiten mit fich, Das Haus auf rechteckigem Grundrißmit einfachftem Dach ift das fparfamfte.
Hier pflegen nun in der Regel die bekannten Bedenken einzufetzen, ob es dann noch möglichfei, die Anforderungen des guten Gefchmackes zu erfüllen. Die allgemeine Annahme geht dahin,daß das Einfache kahl und nüchtern wirke,- einfach ift in der Volksauffaffung gleichbedeutend mitärmlich. Der Verkäufer im Gefchäft verfchleiert mit dem Worte „einfach" den Begriff des Minder=wertigen, für einfache Häufer haben weite Kreife die Bezeichnung „Scheune" zur Hand. Es kann,vom Standpunkte der künftlerifchen Form betrachtet, nichts Falfcheres geben als eine folche Auf=faffung. Die gesteigerten und gefchraubten Gebilde, die der heutige Menfch als künftlerifch empfindenmöchte, find meiftens gerade das Gegenteil davon. Vollends für eine gute Architektur ift dieeinfache Geftaltung geradezu die Vorbedingung. Alle guten Kunftwerke find einfach. Die Ein=fachheit eines Werkes ift nicht der Anfang, fondern das Ende der künftlerifchen Arbeit,- der wahreKünftler ringt fich aus dem Verwickelten zum Einfachen hindurch. Auch reiche Mittel haben mitdem Wefen der Kunft nichts zu tun. Ein Kunftwerk kann mit dem geringften äußern Aufwanderreicht werden,- reiche Mittel verleiten im Gegenteil häufig zu Gefchmacklofigkeiten, wofür geradeder deutfehe Hausbau nach 1870 die fprechendften Beifpiele liefert.
Allerdings, eins ift dabei unerläßlich: daß das einfache Haus von einem Künftler geftaltet fei.Gerade bei einer fchlichten Architektur macht fich die Notwendigkeit forgfältig abgewogenerVerhältniffe und genauefter Abftimmung aller Einzelheiten gebieterifch geltend. Eben heute wird das
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