Über die Richtlinien, nach denen ein rechtes Landhaus gebaut werden follte, ift in dem vomVerfaffer während des Krieges herausgegebenen kleinen Buche „Wie baue ich mein Haus"*)Ausführliches gefagt; es würde zu weit führen, die dort dargelegten Grundfätze im einzelnen zuwiederholen. Man kann aber heute über den Hausbau nicht reden, ohne deffen Beziehung zu derallerdringendften Tagesfrage: der bedrängten deutfchen Wirtfchaft zu berühren. Die noch fort=während weiterfchreitende Geldentwertung übt ihren Einfluß gebieterifch in der Richtung derEinfchränkung aus. Auch der reiche Mann kann fich das nicht mehr leiften, was bis 1914 allgemeinüblich, ja felbftverftändlich war. Die Frage, an welcher Stelle zu fparen fei und an welcher nichtilt die allerwichtigfte für denjenigen, der heute bauen will.
Allgemein muß gefagt werden, daß es bei eingetretener Verarmung keine größere Gefahrgibt, als die, vom Gediegenen zum Ungediegenen überzugehen. Der Gefahr find leider diejenigenausgeliefert, deren Mittel unter keinen Umftänden das Gediegene zulaffen,- es ilt der Fluch allerArmen, daß fie nur das Billige erwerben können. Das Billige ift aber immer das wirtfchaftlichUnvorteilhaftefte. Eine billige Sache hält nicht, man muß fie bald wegwerfen. Das ilt bei kleinenDingen fchon fchlimm genug, fobald aber ein wirtfchaftlich bedeutender Gegenftand in Fragefteht, erwachfen aus dem Erwerb nach kurzer Zeit fortlaufende Inftandfetzungskoften, die denBefitzer aufs Schwerfte belaften. Nur der fpart heute, der trotz derTeuerung die gute Ware erwirbt.Gerade weil beim Anzug der Stoff fehr teuer, der Arbeitslohn fehr hoch ilt, darf nur der befteStoff und die gediegenfte Arbeit angewendet werden. Schlechter Stoff, an den hoher Arbeitslohngewendet wird, bedeutet weggeworfenes Geld, minderwertige Arbeit aber an gutem Stoffangebracht, Vergeudung von Werten/ fchlechter Stoff und fchlechte Arbeit vereinigt gibtSchund. Deffen Hervorbringung muß aber geradezu als eine Verfündigung an der Volkswirtfchaftbetrachtet werden.
Diefe aus dem Alltagsleben bekannten Grundfätze auf den Hausbau übertragen**) bedeuten,daß es heute garnichts Falfcheres geben kann, als in der Gediegenheit der Ausführung fparen zuwollen. Das Haus würde nach kurzer Zeit baufällig fein, es würde fo hohe Ausbefferungsrechnungenbringen, daß dem Befitzer der Atem ausgehen würde. Gerade weil das Bauen fehr teuer ilt, darfnur der belte Stoff und die befte Arbeit verwendet werden, denn nur dadurch werden die laufendenUnkoften eingefchränkt,- es wird dann bei der einmaligen Ausgabe für lange Jahre fein Bewendenhaben, und dem Bauherrn wird feine Freude nicht durch Widerwärtigkeiten vergällt werden.
Wo aber soll dann gefpart werden?
Es gibt im Großen und Ganzen nur eine wirkliche Sparfamkeit im Hausbau, das ilt dieräumliche Einfchränkung. Alle anderen Mittel, voran die vielgenannten fparfamen Bauweifen,erweifen fich als Trugbilder. Es mag fein, daß fich mit der Zeit eine diefer Bauweifen ein Bürger^recht erringen wird. Heute ift dies noch nicht der Fall. Die meiften von ihnen haben fich nochnicht unbedingt bewährt. Was aber das auffallendfte ift, fie ftellen fich im Gebrauch meiftens teurerals die bisher geübte Bauausführung. Der Bauherr tut immer noch am beften, fich an die alten Bau=ftoffe, gebrannte Steine und Mörtel, zu halten. Gerade Laien lallen fich immer wieder durch ver=fprechende Ankündigungen beirren. Man mag es anfangen wie man will, es bleibt nur eine Artvon Sparfamkeit als wirklich in Betracht kommend übrig: Die Befchränkung in der Ausdehnungdes Haufes.
Hier zum Glück läßt fich nun bei gutem Willen des Bauherrn fehr viel erreichen. Man kannohne Übertreibung fagen, daß fich, forgfältige Entwurfsarbeit vorausgefetzt, dasfelbe Maß vonBequemlichkeit und Wohnlichkeit, das in einem Vorkriegshaufe mit großen und vielen Zimmernvorhanden war, herbeiführen läßt, wenn das Haus nur den halben Kubikinhalt hat. Die meiften
*> Verlag F. Brudcmann, A.-G., Mündien.
**> Eingehend find diefe Gedanken behandelt in des Verfa(TersBuche„Kann ich auch jetzt noch mein Haus bauen?''Verlag F. Bruckmann, München, 1919.
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