Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
405
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Merlin, der gefährlichste unter allen Journalisten, die beidiesem Diner anwesend waren, war ein kleiner, dürrerMann mit zusammengekniffenen Lippen, der einen maß-losen Ehrgeiz und eine grenzenlose Eifersucht in sich trug,der über alles Schlimme, was um ihn her vorging, glücklichwar, und der die Spaltungen, die er schürte, sich zunutzemachte. Er hatte viel Geist, aber wenig Willenskraft, er-setzte jedoch den Willen durch den Instinkt, der die Par-venüs an die Orte führt, wo das Gold und die Macht winkt.Lucien und er mißfielen sich gegenseitig. Die Erklärunghierfür ist nicht schwer. Merlin hatte das Unglück, mitlauter Stimme zu sprechen, wenn Lucion im stillen dachte.Beim Nachtisch schienen die Bande rührendster Freund-schaft diese Männer zu vereinigen, von denen sich jeder demandern überlegen glaubte. Lucien, der Neuling, war derGegenstand, dem sie alle imponieren wollten. Man redeteohne Rückhalt miteinander; nur Hector Merlin lachte nicht.Lucien fragte ihn nach dem Grund seiner Zurückhaltung.»Aber ich sehe, Sie treten mit Illusionen in die Welt(ler Literatur und des Journalismus. Sie glauben anFreunde. Wir sind alle Freunde oder Feinde, je nach denUmständen. Wir treffen uns selbst zuerst mit der Waffe,die uns nur dazu dienen sollte, die andern zu treffen. Siewerden binnen kurzem merken, daß Sie es mit schönenGefühlen zu nichts bringen. Wenn Sie gut sind, sorgenSie dafür, daß Sie schlecht werden. Werden Sie bissig ausBerechnung. Wenn Ihnen noch keiner dieses oberste Ge-setz gesagt hat, so vertraue ich es Ihnen an, und ich habeIhnen damit kein kleines Geschenk gemacht. Wenn Siegeliebt sein wollen, gehen Sie nie von Ihrer Geliebten,ohne sie ein wenig zum Weinen gebracht zu haben; wollenSie in der Literatur Glück machen, so verletzen Sic immeralle Welt, selbst Ihre Freunde, bringen Sie die Eigenliebezum Weinen: alle Welt wird zärtlich zu Ihnen sein."

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