der Kaufmann eintrat, fielen Coralies Augen auf LuciensStiefel: Berenice hatte sie vor das Feuer gestellt, um siezu wärmen, nachdem sie sie heimlich gewichst hatte. DieDienerin und ihre Herrin hatten diese verräterischen Stiefelvergessen. Berenice ging, nachdem sie mit ihrer Herrinunruhige Blicke gewechselt hatte. Coralie setzte sich aufdas Sofa und bat Camusot, sich's auf einem Schaukelstuhlihr gegenüber bequem zu machen. Der Wackere, derCoralie anbetete, sah die Stiefel an und wagte nicht, dieAugen nach seiner Geliebten zu erheben.
,Soll ich nun wegen dieses Paars Stiefel böse werdenund Coralie verlassen? Das wäre schlimm, wegen so einerKleinigkeit. Stiefel gibt es überall. Die hier stünden besserauf dem Eegal eines Schuhmachers oder gingen an denFüßen eines Mannes auf den Boulevards spazieren. Hieraber sagen sie auch ohne Füße mancherlei, was nichts mitTreue zu tun hat. Allerdings bin ich fünfzig .fahre alt:ich muß blind sein wie Amor.'
Für diesen feigen Monolog gab es keine Entschuldigung.Die Stiefel waren nicht solche Halbschuhe, wie sie heut-zutage getragen werden, und die schließlich ein zerstreuterMensch nicht zu sehen brauchte; es waren, wie es damalsdie Mode mit sich brachte, ein Paar hohe, sehr eleganteStiefel mit Quasten, denen man es ansah, daß sie gewohntwaren, aus weiten, meistens hellen Hosen hervorzuleuchten,und alles spiegelte sich in ihnen wie in einem Spiegel. Somußten die Stiefel dem wackern Seidenwarenhändler indie Augen springen und, dürfen wir hinzufügen, auch dasHerz mußte ihm bei diesem Anblick zerspringen.[. „Was haben Sie?" fragte ihn Coralie. „Nichts," gab erzur Antwort. „Klingeln Sie," sagte Coralie, die überCamusots Feigheit lächeln mußte. — „Berenice," sagte siezu der Normannin, sowie sie eintrat, „holen Sie mir docheinen Anzieher, damit ich diese verdammten Stiefel noch
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