Zehn Stunden später, gegen Mittag, erwachte Lucien.Coralie saß neben ihm, sie hatte ihn im Schlaf betrachtet.Der Dichter begriff. Die Schauspielerin war noch in ihremschönen Kleide, das abscheulich beschmutzt war und ausdem sie eine Reliquie machen wollte. Lucien erkannte dieAufopferung, die Zartheit der wahren Liebe, die ihre Be-lohnung haben sollte: er sah Coralie an. Coralie war ineinem Augenblick ausgezogen und schlang sich um Lucien.Um fünf Uhr schlief der Dichter, von himmlischer Wollustgewiegt, er hatte das Zimmer der Schauspielerin, ein ent-zückendes Werk des Luxus, gauz in weiß und rosa, eineWelt von Wundern und koketten Zierlichkeiten, gesehen,die weit überstiegen, was Lucien schon bei Florine be-wundert hatte. Coralie war auf. Um ihre Rolle als Anda-lusierin zu spielen, mußte sie um sieben Uhr im Theatersein. Sic hatte noch ihren Dichter betrachtet, der imGenuß eingeschlafen war, sie war wie trunken und konntesich nicht trennen von dieser edlen Liebe, die die Sinucmit dem Herzen und das Herz mit den Sinnen verband,um sie beide zu entzücken. Dieses himmlische Gefühl, woman im Irdischen zu zweit ist, um mit allen Sinnen zuleben, ein einziges Wesen im Himmel, um zu lieben, warihre Absolution. Was hätte übrigens die übermenschlicheSchönheit Luciens nicht entschuldigt? Die Schauspielerinkniete an dem Bett, war glücklich über ihre eigene Liebeund fühlte sich geweiht. Diese Wonnen wurden von Berc-nice gestört.
„Der Camusot ist da! Er weiß, daß Sie hier sind!"rief sie.
Lucien richtete sich auf, mit angeborener Vornehmheitdachte er sofort daran, daß er Coralie nicht schaden dürfte.Bercnice hob einen Vorhang. Lucien trat in ein entzücken-des Anklcidokabinett, in das Bercnice und ihre Herrin mitunerhörter Schnelligkeit Luciens Kleider brachten. Als
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