Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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Der Tag überraschte die Kampier oder vielmehr Blondet,der ein unüberwindlicher Trinker und der einzige war, dernoch sprechen konnte; er schlug den Verschlafenen einenToast auf die rosonfingrige Aurora vor.

Lucien war an die Pariser Orgien nicht gewöhnt; er hatteseinen Verstand noch beisammen, als er die Treppe hinab-stieg, aber die frische Luft brachte seine Betrunkenheit,die häßlich war, völlig zum Ausbruch. Coralie und ihn;Zofe mußten den Dichter in den ersten Stock des schönenHauses in der Rue de Vendome, in dem die Schauspielerinwohnte, hinauftragen. Auf der Treppe wurde es Luciensehr übel und er mußte sich übergeben.

„Schnell! Berenice," rief Coralie, „Tee! mach Tee!"„Es ist nichts, es ist die Luft," sagte Lucien, „und ichhabe noch nie so viel getrunken." „Armes Kind! Er istunschuldig wie ein Lamm," sagte Berenice, eine plumpeNormännin, die ebenso häßlich war, wie Coralie schön.

Endlich war Lucien, ohne daß er etwas davon wußte,in Coralics Bett untergebracht. Die Schauspielerin hatte,mit Unterstützung Berenices, ihren Dichter mit der Sorg-falt und Liebe einer Mutter für ihr kleines Kind ausge-zogen. Dabei sagte er fortwährend:

„Es ist nichts, es ist die Luft. Danke, Mama." „Wieer so schön Mama sagt," rief Coralie und küßte ihn aufdie Haare. „Wie schön muß es sein, einen solchen Engelzu heben, Fräulein! Wo haben Sie ihn aufgefischt? Ichhätte nicht gedacht, daß es einen Mann geben könnte,der so schön ist wie Sie," sagte Berenice.

Lucien wollte schlafen, er wußte nicht, wo er war undsah nichts, Coralie ließ ihn mehrere Tassen Tee trinken,dann überließ sie ihn dem Schlaf.

„Die Portiersfrau hat uns nicht gesehen, und auch sonstniemand?" fragte Coralie. „Nein, ich habe Sie erwartet."„Victoire weiß nichts?" „Kein Gedanke," sagte Berenice.

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