Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
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sie sich mit der großen Freiheit. Wird sie vors Gericht ge-zogen, dann beklagt sie sich, daß man ihr keine Berichti-gung geschickt hat; aber wenn man ihr eine schickt, dannlehnt sie sie lachend ab und spricht von ihrem Verbrechenwie von einer Kleinigkeit, die nicht der Eede wert wäre.Schließlich verhöhnt sie ihr Opfer, wenn es Recht be-kommt. Wird sie bestraft, hat sie zuviel Geldstrafen zuzahlen, dann denunziert sie den Klagenden als einen Feindder Freiheit, des Landes und der Aufklärung. Sie wirdsagen, Herr Soundso sei ein Dieb, und wird dafür die Wortewählen, er sei der ehrlichste Mann des Königreichs. Sosind ihre Verbrechen Kleinigkeiten! ihre Angreifer Scheu-sale! und nach einiger Zeit glauben die Leute, die sie alleTage lesen, alles, was sie will. Von nun an ist nichts, wasihr mißfällt, mehr patriotisch, und sie wird nie unrechthaben. Sie bedient sich der Religion gegen die Religion,der Verfassung gegen den König; sie verhöhnt die Be-hörden, wenn die Behörden sie ärgern; sie lobt sie, wennsie den Volksleidenschaften schmeicheln. Um Abonnentenzu ergattern, erfindet sie die rührendsten Märchen, führtsie Possenspiele auf wie Hanswurst. Die Zeitung würdeeher dem Publikum ihren eigenen Vater zum Frühstückservieren, als darauf verzichten, es unausgesetzt zu inter-essieren und zu amüsieren. Sie ist wie ein Schauspieler,der die Asche seines Sohnes in die Urne tut, um wirklichweinen zu können; sie ist die Mätresse, die ihrem Gehebtenalles opfert." „Kurz, sie ist die Folioausgabe des Volkes,"rief Blondet dazwischen. „Des heuchlerischen, unedcl-mütigen Volkes," erwiderte Vignon. „Es kommt dahin,daß die Zeitung das Talent aus ihrer Mitte verbannenwird, wie Athen Aristides verbannt hat. Wir werden eserleben, wie die Zeitungen, die anfangs von Ehrenmännerngeleitet werden, später unter das Regiment der Mittel-mäßigsten kommen, die die Geduld und die Nachgiebig-

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