Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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tausend Franken hat, bietet mir seit zwei Monaten einCoup6 an. Aber ich bin eine Künstlerin und keine Dirne."„Sie -werden übermorgen einen Wagen haben," sagte Ca-musot freundlich, „aber Sie hatten mich nie darum ge-beten." „Ist das etwas, worum man bittet, wie? Läßtman eine Frau, die man Hebt, im Kot herumpatschenund Gefahr laufen, sich durchs Zuiüßgehen die Beine zubrechen! Nur die Eitter von der Elle lieben den Schmutzam Saum eines Kleides."

Während sie diese Worte so ärgerlich sagte, daß Camusotschmerzlich getroffen war, hatte Coralie Luciens Bein ge-funden und drückte es zwischen ihren Beinen, hatte sieseine Hand ergriffen und gedrückt. Sie schwieg jetzt undschien einer der unsagbaren Freuden ganz hingegeben, diediese armen Geschöpfe für all ihren vergangenen Kum-mer und ihr Unglück entschädigen und in ihrer Seele einePoesie entzünden, die andern Frauen, in deren Leben eszum Glück diese heftigen Gegensätze nicht gibt, unbe-kannt bleibt.

„Sie haben am Schluß so gut gespielt wie FräuleinMars," sagte du Bruel zu Coralie. „Ja," sagte Camusot,»das Fräulein hat im Anfang etwas gehabt, was sie störte,aber von der Mitte des zweiten Akts an war sie hinreißend.Ihr Erfolg ist zur Hälfte ihr zu verdanken." „Und ihrErfolg zur Hälfte mir," sagte du Bruel. „Ihr streitet euchum Kaisers Bart," sagte sie mit einer Stimme, die zitterte.

Die Schauspielerin benutzte einen Augenblick, wo esvöllig dunkel war, um Luciens Haud an ihre Lippen zuziehen, und küßte sie. Die Hand wurde feucht von ihrenTränen. Lucien war jetzt bis ins Mark erregt. Die de-mütige Hingabe der liebenden Kurtisanen trägt Wonnenin sich, die sie zu Engeln machen.

„Der Herr wird den Artikel schreiben," sagte du Bruel,zu Lucien gewandt, „er kann einen schönen Absatz über

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