und deren Schicksal auch ihres sein sollte, war der Typusder Mädchen, die mit Willen die Männer bezaubern.Coralie hatte den prächtigen Typus des jüdischen Gesichts-schnitts, das lange Oval, einen Teint wie blondes Elfen-bein, einen roten Mund wie eine Granate, ein zartge-schwungenes Kinn, das dem Rand eines Bechers glich.Unter den Lidern brannte ein kohlschwarzer Augapfel,und unter den langen Wimpern ahnte man den schmach-tenden Blick, aus dem wohl manchmal die Glut derWüste funkelte. Diese Augen waren von einem oliven-farbenen Kreis umschattet und über ihnen schwangensich dichte Brauen. Auf der braunen Stirn, über der dasglattgescheitelte, ebenholzschwarze Haar lag, auf demjetzt die Lichter glänzten wie auf einer Glasur, thronteein prächtiger Geist, der an Genie glauben ließ. Aber wieviele Schauspielerinnen war Coralie trotz ihrer Kulissen-ironie geistlos, hatte trotz ihrer Boudoirerfahrungen keineBildung und hatte mir den Geist der Sinnlichkeit und dieGüte verliebter Frauen. Konnte man sich übrigens umdie Welt des Geistes kümmern, wenn sie den Blick mitihren runden, glatten Armen, mit ihren spindelförmigenFingern, ihren leuchtenden Schultern, ihren Brüsten, diean die Brüste erinnerten, die das Hohelied besingt, mitihrem graziös beweglichen \md gebogenen Nacken, mitihren bewundernswert eleganten Beinen, die jetzt in roterSeide steckten, blendete? Diese Schönheiten einer wahr-haft orientalischen Poesie wurden noch durch die inunsern Theatern herkömmliche spanische Tracht gehoben.Coralie war die Wonne aller Zuschauer, alle Augen hingenan ihrer Taille, die entzückend von der Baskine um-schlossen war, und kamen nicht los von ihrem andaluai-schen Gesäß, über dem der Rock sich in verführerischkecken Wellenlinien erging. Es gab einen Augenblick, indem Lucien, als er dieses Geschöpf sah, das nur für ihn
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