Jahre alt, hatte den Kopf voll grauer Haare, die aussahenwie eine Nachtmütze, und hatte das scheinheilige Gesichteines Mannes, der sein Alter genoß und das Leben nichtohne seinen Anteil an ordentlichem Vergnügen verlassenwollte, nachdem er die tausendundein Verdrießlichkeitendes Kaufmannslebens durchgemacht hatte. Diese Stirn,die eine Farbe hatte wie frische Butter, diese blühenden,an ein Mönchlein erinnernden Wangen schienen nichtbreit und üppig genug, um das strahlende Vergnügen desBiedermanns fassen zu können; Camusot war ohne seineFrau und hörte den stürmischen Beifall, der Coralie zu-jubelte. In Coralie war die ganze Eitelkeit dieses Bourgeoisverkörpert, er spielte bei ihr den großen Herrn der gutenalten Zeit. In diesem Augenblick glaubte er sich die Hälftedes Erfolgs der Schauspielerin zuschreiben zu dürfen, under glaubte es um so mehr, als er ihn bezahlt hatte. SeinVerhalten wurde durch die Gegenwart seines Schwieger-vaters sanktioniert, eines kleinen alten Herrn mit ge-puderten Haaren und schalkhaften Augen, der aber trotz-dem sehr würdig aussah. Der Widerwille Luciens er-wachte wieder, er erinnerte sich au die reine ekstatischeLiebe, die er ein Jahr lang für Frau von Bargeton empfun-den hatte. Sofort entfaltete die Dichterliebe ihre weißenFittiche, und tausend Erinnerungen tauchten aus blauenFernen auf und bestürmten den großen Mann aus Angou-leme, der wieder in Träumerei versank. Der Vorhang hobsich. Coralie nnd Florine waren auf der Bühne.
„Meine Liebe, er denkt an dich so wenig wie an denGroßmogul," sagte Florine halblaut, während Coralie eineAntwort hersagte.
Lucien konnte das Lachen nicht zurückhalten und sahCoralie an. Dieses Weib, eine der reizendsten und ent-zückendsten Schauspielerinnen von Paris, die Rivalin vonFrau Perrin und Fräulein Fleuriet. denen sie ähnlich war,
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