blicke lang Matifat vergessen. Er verweilte dabei vielleichtfünf Minuten, aber er wußte nicht, wie lange. Ihm wares eine Ewigkeit. Glühende Gedanken entzündeten seineSeele, wie seine Sinne von dem Anblick dieser Schau-spielerinnen entflammt worden waren: ihre Augen warenverführerisch gewesen und die Schminke hatte sie nochblitzender gemacht, die weiße Haut des tiefen Hals-ausschnitts hatte ihm entgegen geleuchtet, sie waren inkecke Baskinen mit sehr freiem Faltenwurf gekleidet ge-wesen, hatten kurze Röckchen angehabt, hatten ihreBeine gezeigt, die in roten Strümpfen mit grünen Zwickelnsteckten, und hatten Schuhe getragen, mit denen man einParterre in Erregung setzen konnte. Zwei Sünden nähertensich ihm auf parallelen Linien, wie zwei Wasserflächen,die in einer Überschwemmung sich vereinigen wollen. Sieverzehrten den Dichter, der, mit aufgestütztem Kopf, denArm auf dem roten Samt der Brüstung, mit herunter-hängender Hand in der Ecke seiner Loge saß; seine Augenwaren starr auf den Vorhang gerichtet. Er war um soempfänglicher für die Verführungen dieses Lebens, dasaus leuchtenden Blitzen und dunklen Wolken gemischtwar, weil es nach der tiefen Nacht seines arbeitsamen,zurückgezogenen, eintönigen Lebens wie ein Feuerwerkflammte. Plötzlich durchbohrte ein verliebt leuchtenderBlick den Theatervorhang und wurde von den lässig vorsich hinblickenden Augen Luciens bemerkt. Der Dichtererwachte aus seiner Erstarrung und erkannte das AugeCoralies, das verzehrend nach ihm blickte; er senkte denKopf und sah nach Camusot, der eben in die gegenüber-liegende Loge trat. Dieser Liebhaber war ein guter,breiter, dicker Seidenwarenhändler aus der Rue des Bour-donnais, Handelsrichter, Vater von vier Kindern und zumzweitenmal verheiratet. Er hatte ein Jahreseinkommenvon achtzigtausend Franken, aber er war sechsundfünfzig
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