für prächtige Kerle," rief Finot. „0 ja, wenn ich nochzwei hübsche Schauspielerinnen hätte, die so üppig aus-gehalten wären wie Florine und Coralie, wäre ich eingemachter Mann."
Seit zwei Stunden war in Luciens Ohren das Geldder Schlüssel zu allem. Im Theater, im Buchhandel undim Journalismus war nicht von Kunst und nicht vonRuhm die Rede. Diese ewigen Hammerschläge des großenPrägstocks der Münze, die fortwährend ihm auf den Kopfund aufs Herz fielen, zermarterten ihm Sinn und Gemüt.Während das Orchester die Ouvertüre spielte, konnteer sich nicht enthalten, dem Beifallklatschen und demZischen des Parterres, das schon in Aufruhr war, dieSzenen ruhiger und reiner Poesie entgegenzuhalten, dieer bei David in der Druckerei gekostet hatte, wenn siebeide die Wunder der Kunst, die edlen Siege des Geistes,den Ruhm mit weißen Fittichen vor Augen gesehen hatten.Er erinnerte sich an die Abende im Kreis seiner PariserFreunde, und Tränen traten ihm in die Augen.
„Was haben Sie?" fragte ihn Etienne Lousteau. „Iclisehe die Poesie in einer Pfütze," antwortete er. „Ach,lieber Freund, Sie haben noch Illusionen." „Aber mußman denn vor diesen plumpen Menschen Matifat undCamusot sich beugen und vor ihnen kriechen, wie sich dieSchauspielerinnen vor den Journalisten beugen und wir vorden Verlegern?" „Mein Lieber," sagte ihm Etienne ins Ohrund wies auf Finot, „haben Sic nicht gesehen, wie dieservierschrötige Kerl, der keinen Geist und kein Talent hat,aber geldgierig ist, um jeden Preis zu Vermögen kommenwill und geschäftsgewandt ist, mir in Dauriats Laden vier-zig Prozent abgenommen hat und dabei noch eine Mienemachte, als ob ich ihm zu Dank verpflichtet sei? ... ebender Mann hat Briefe, in denen mehrere angehende Geniesfür hundert Franken vor ihm auf den Knien hegen."354