Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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„Ihr müßt alle fortgehen," sagte Florine, „ich mußmeine Rolle überlesen und suchen, sie zu verstehen."

Lucien und Lousteau waren die letzten, die hinaus-gingen. Lousteau küßte Florine auf die Schulter undLucien hörte, wie die Schauspielerin sagte:

„Heute abend unmöglich. Das alte Schaf hat seinerFrau gesagt, er ginge aufs Land." „Finden Sie siehübsch?" fragte Etienne Lucien. „Aber, mein Bester,dieser Matifat..." rief Lucien. „Ach, liebes Kind, Siekennen das Pariser Loben noch nicht," antwortete Lou-steau, „es gibt Notwendigkeiten, denen man sich fügenmuß! Es ist geradeso, wie wenn Sie eine verheirateteFrau liebten. Man findet sich darein."

Etienne und Lucien gingen in eine Proszeniumsloge imParterre, wo sie den Theaterdirektor und Finot vorfanden.Ihnen gegenüber in einer Loge saß Matifat mit einemseiner Freunde namens Camusot, einem Seidenhändler, derder Freund Coralies war; in ihrer Gesellschaft war nochein würdiger alter Herr, sein Schwiegervater. Die dreiwackern Bürgersleute putzten ihre Operngläser und sahenins Parkett, dessen unruhiges Hin und Her sie lebhaft zuinteressieren schien. In den Logen sah man das ab-sonderliche Premierenpublikum: Journalisten und ihreMätressen, ausgehaltene Frauen und ihre Liebhaber,einige Gewohnheitstheaterbesucher, die an Premieren Ge-fallen fanden, und Damen aus der vornehmen Gesellschaft,die diese Art Aufregungen heben. In einer Loge desersten Rangs saß der Generaldirektor und seine Familie,der du Bruel in einer Finanzverwaltung untergebrachthatte, in der der Vaudeville-Verfasser die Bezüge einerSinekure genoß. Lucien fiel seit dem Mittagessen voneinem Erstaunen ins andere. Das literarische Leben, dasihm seit zwei Monaten so ärmlich und so entbehrungsvollerschienen, das in Lousteaus Zimmer so gräßlich, in den

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