>,Aber da ist einer, den ich nicht kenne," sagte Florineund faßte Lucien ins Auge. „Wer von euch hat denApollo des Belvedere aus Florenz mitgebracht? Der Herr'st reizend wie eine Gestaltvon Girodet." „Mein Fräulein,"sagte Lousteau, „der Herr ist ein Dichter aus der Provinz,den ich vergessen habe, Ihnen vorzustellen. Sie sind heuteabend so schön, daß es unmöglich ist, an die knabenhafteund philiströse Höflichkeit zu denken." „Ist er reich, daßer Gedichte macht?" fragte Florine. „Arm wie Hiob,"antwortete Lucien. „Recht verlockend für uns," sagtedie Schauspielerin.Du Bruel, der Verfasser des Stücks, ein kleiner, schlan-er junger Mann im Gehrock, der zugleich wie einßureaukrat, Grundbesitzer und Börsenmakler aussah,trat plötzlich ein.
>,Kleine Florine, Sie können doch hoffentlich Ihre Rolle?■^ur keine Gedächtnisschwäche! Bringen Sie die Szene deszweiten Akts gut heraus, beißend, scharf! Sprechen Siedie Stelle: ,Ich liebe Sie nicht!' wie wir besprochen haben.">>Warum übernehmen Sie Rollen, in denen solche Sätzevorkommen?" sagte Matifat zu Florine.
Diese Bemerkung des Drogisten wurde mit allgemeinemLachen begrüßt.
i,Was macht das Ihnen," antwortete sie, „ich sage esdoch nicht zu Ihnen, dummer Mensch? — Er quält michmimer mit seinen Albernheiten," fügte sie, zu den Schrift-stellern gewandt, hinzu. „So wahr ich ein ehrbares Mäd-chen bin, ich würde es ihm heimzahlen, wenn mich dasnicht ruinieren würde." „Das wäre schon recht, aber wenn°!e das sagen, werden Sie mich ansehen, wie wenn Sieihre Rolle lernen, und das macht mir Angst," antworteteder Drogist. „Gut denn, ich werde den kleinen Lousteauansehen," erwiderte sie.
In den Korridoren ertönte eine Glocke.
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