Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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Bei dieser Kundgebung nahm Matifat, das war derstämmige Mann, eine ernsthafte Miene an. Florine warsechzehn Jahre alt und mager. Ihre Schönheit, die viel-versprechend war wie eine Knospe, konnte nur den Künst-lern gefallen, denen eine Skizze lieber ist als ein fertigesBild. Diese entzückende Schauspielerin hatte in ihrenZügen die ganze Zartheit, die ihr Wesen ausmacht, undglich damals Goethes Mignon. Matifat, ein reicher Drogistaus der Rue des Lombards, hatte gedacht, eine kleineBoulevardschauspielerin könnte nicht viel kosten; aber iDelf Monaten hatte er für Florine sechzigtausend Frankenausgegeben. Nichts kam Lucien erstaunlicher vor, alsdieser ehrbare, biedere Kaufmann, der wie ein Säulen-heiliger in diesem Verschlag von zehn Fuß im Geviert ineiner Ecke saß. Die Kammer war übrigens hübsch tape-ziert und mit einem großen Stehspiegel, einem Diwan,zwei Stühlen, einem Teppich, einem Kamin und mehrerenSchränken eingerichtet. Eine Kammerfrau zog eben dieSchauspielerin als Spanierin an. Das Stück war ein Im-broglio, in dem Florine die Rolle einer Gräfin hatte.

„Dieses Geschöpf wird in fünf Jahren die schönsteSchauspielerin von Paris sein," sagte Nathan zu Felicien.„Herzchen," sagte Florine und wandte sich den dreiJournalisten zu, „seid morgen recht nett gegen mich; zu-nächst habe ich für heute nacht Wagen bestellt, dennihr sollt mir bezecht werden wie zu Fastnacht. Matifathat Weine angeschafft, oh! Weine, die Ludwigs XVIII.würdig wären, und er hat den Koch des preußischen Ge-sandten engagiert." „Wir machen uns, wenn wir denHerrn nur sehen, auf Ungewöhnliches gefaßt," sagteNathan. „Aber er weiß, daß er die gefährlichsten Männervon Paris zu Gast hat," erwiderte Florine.

Matifat sah mit unruhigem Blick nach Lucien, denndie große Schönheit des Jünglings erregte seine Eifersucht.

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