Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

ich Ihnen gesagt?" „Ja, Sie hatten recht," antworteteLucien. „Ich habe in diesem Laden noch Grausameresausgestanden, als ich nach Ihrer Prophezeiung erwartete.„Und warum wollen Sie überhaupt etwas ausstehen? Wasuns unser Leben kostet, der Gegenstand, der in langenNächten der Arbeit unser Hirn müde gemacht hat, alldieses Wandern im Land der Gedanken, das ganze Er-gebnis unserer Arbeit, die Schöpfung, der wir Geist undBlut gegeben haben, wird für die Verleger ein gutes oderschlechtes Geschäft. Die Buchhändler verkaufen Ihr Buchoder verkaufen es nicht. Das ist für sie das ganze Problem.Ein Buch stellt ihnen riskiertes Kapital vor. Je schönerdas Buch ist, um so weniger Aussichten hat es, verkauftzu werden. Jeder hervorragende Mann erhebt sich überdie Massen, sein Erfolg steht also im geraden Verhältniszu der Zeit, die nötig ist, um das Werk zur Geltung zubringen. Kein Buchhändler will warten, das Buch vonheute muß morgen verkauft werden. Auf Grund diesesSystems lehnen die Verleger die gewichtigen Bücher ab,die der hohen Anerkennung bedürfen und sie nur langsamfinden." „D'Arthez hat recht," rief Lucien. „Sie kennend'Arthez?" sagte Lousteau. „Ich kenne nichts Gefähr-licheres als die einsamen Geister, die wie dieser Manndenken, sie könnten die Welt zu sich heraufziehen. Sie ver-leihen den jungen Phantasten einen fanatischen Glauben,der der starken Kraft, die wir zuerst in uns fühlen, schmei-chelt, und so verhindern diese Männer des Nachruhms diejungen Leute, sich in dem Alter zu rühren, wo es möglichund nützlich ist, sich zu regen. Ich bin für MohammedsSystem, der, nachdem er dem Berg vergebens befohlenhatte, zu ihm zu kommen, ausgerufen hat: ,Wenn derBerg nicht zu mir kommt, gehe ich zu ihm!'"

Dieser Ausfall, in dem die Berechnung eine solcheSchärfe angenommen hatte, bewirkte nur, daß Lucien

344