Lucien hatte kaum Zeit, den blonden, schlanken Kopf,das längliche Gesicht, die funkelnden Augen, den schön-geformten Mund des Mannes zu sehen, der zwanzig Jahrelang der Potemkin der Frau von Stael gewesen war, undder die Bourbonen bekämpfte, wie er Napoleon bekämpfthatte, und der, über seinen Sieg entsetzt, sterben sollte.„Was für ein Laden!" rief Lucien, als er neben Lousteauin einem Einspänner saß. „Ins Panorama Dramatique,aber schnell! Du bekommst dreißig Sous für die Fahrt,rief Etienne dem Kutscher zu. — Dauriat ist ein Kerl, derfür anderthalb Millionen Franken Bücher jährlich ver-kauft, er ist so 'ne Art Literaturminister," antworteteLousteau, dessen Eigenliebe angenehm gekitzelt war, undder sich Lucien überlegen zeigen wollte. „Seine Habgierist ebenso groß wie die Barbets, aber sie geht ins Große.Dauriat hat Manieren, er kann großmütig sein, aber erist eitel; sein Geist setzt sich aus allem zusammen, was erum sich sagen hört; sein Laden ist ein berühmter Ort, denman besuchen muß. Man kann sich dort mit den hervor-ragendsten Leuten der Zeit unterhalten. Ein junger Mannlernt dort, mein Lieber, in einer Stunde mehr, als wenn erzehn Jahre über Büchern schwitzt. Man diskutiert dortüber Artikeln, man findet Stoffe, man knüpft mit be-rühmten oder einflußreichen Leuten an, die nützlich werdenkönnen. Wer sich heutzutage durchsetzen will, muß Be-ziehungen haben. Alles ist Zufall, Sie sehen es. Das Ge-fährlichste ist, Geist zu haben und ganz allein in seinemWinkel zu sitzen." „Aber wie impertinent er ist!" sagteLucien. „Bah! Wir machen uns alle über Dauriat lustig,"antwortete Etienne. „Wenn man ihn braucht, trampelter einem auf dem Bauch herum; braucht er das Journaldes Debats, dann läßt Emile Blondet ihn tanzen wieeinen Kreisel. Oh, wenn Sie in die Literatur kommen,werden Sie von der Art noch vieles sehen! Und was habe
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