in Paris? Unwillkürlich und trotz der Anziehungskraft derOper, die etwas völlig Neues für ihn war, wandte sich seinBlick, wie magnetisch von dieser prächtigen Celimene an-gezogen, fortwährend ihr zu, und je mehr er sie ansah, umso mehr Lust bekam er, sie anzusehen! Frau von Bargetonfing einen dieser funkelnden Blicke Luciens auf; sie beob-achtete ihn und sah, daß er mehr mit der Marquise alsmit dem Vorgang auf der Bühne beschäftigt war. Sie hättesich gut und gern damit abgefunden, wenn er sich um derfünfzig Töchter des Danaos willen nichts um sie gekümmerthätte; aber als ein Blick, der brennender, leidenschaftlicherund deutlicher war als die andern, ihr klarmachte, wasin Luciens Herzen vorging, wurde sie eifersüchtig, freilichweniger für die Zukunft als für die Vergangenheit.
,Er hat mich nie so angesehen,' dachte sie. ,Mein Gott,Chätelot hatte recht.'
Jetzt erkannte sie den Irrtum ihrer Liebe. Wenn eineFrau dazu kommt, ihre Schwäche zu bereuen, fährt siewie mit einem Schwamm über ihr Leben, um alles darinauszulöschen. Obwohl jeder Blick Luciens sie in Wut ver-setzte, blieb sie ruhig. Herr von Marsay kam im Zwischen-akt wieder in die Loge und brachte Herrn von Listomeremit. Der ernste Mann und der junge Geck hatten derstolzen Marquise bald mitgeteilt, daß der Hochzeitskellnerim Sonntagsstaat, der leider Zutritt in ihre Loge gefundenhätte, ebensowenig den Namen Herr von Rubempre zuführen berechtigt wäre, wie ein Jude einen Taufnamenhätte. Lucien wäre der Sohn eines Apothekers namensChardon. Herr von Bastignac, der über die Vorgänge inAngouleme gut auf dem laufenden war, hatte schon zweiLogen auf Kosten dieser Mumie, die die Marquise ihreCousine nannte, zum Lachen gebracht. Er meinte, es wäresehr vorsichtig von dieser Dame, daß sie immer einenApotheker mit sich führte, der jedenfalls durch allerlei
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