Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
223
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und Lucien Landeitc. Der junge Rastignae war offenbarder Spaßvogel dieser Loge, er rief das echt Pariser Lachenhervor, das sich jeden Tag einen neuen Gegenstand aus-sucht, und es eilig hat, jedes Thema sofort zu erschöpfenund im Augenblick etwas Altes und Abgetanes darauszu machen. Madame d'Bspard war etwas unruhig, abersie wußte, daß man die, die von einer Bosheit getroffenwerden, nicht lange im unklaren darüber läßt, und wartetedas Ende des Akts ab. Wenn die Gedanken und Gefühlesich zu der eigenen Person gewendet haben, wie es beiLuden und Frau von Bargeton der Fall war, geschehenin kurzer Zeit seltsame Dinge, die moralischen Umwäl-zungen vollziehen sich auf Grund von Gesetzen, derenWirkung überaus rasch ist. Vor Louisens Gedächtnis stan-den die klugen, politischen Worte, die Chatelet ihr aufder Rückfahrt vom Vaudeville in bezug auf Lucien ge-sagt hatte. Jeder Satz war eine Prophezeiung, und LucienHeß es sich angelegen sein, sie alle zu erfüllen. Der armeJunge, dessen Geschick ein wenig dem Jean JacquesRousseaus glich, verlor seine Illusionen über Frau vonBargeton wie sie die ihren über ihn verlor, und er glicliseinem Vorbild insofern, daß er von Madame d'Espardbezaubert war und sich schnurstracks m sie verliebte.Junge Menschen oder Männer, die sich des Gefühlslebensihrer Jugend erinnern, werden zugeben, daß diese plötz-liche Liebe überaus nahehegend und natürlich war. Dieentzückenden Manieren, die feine Sprache, die weicheStimme, diese ganze so vornehme, so hochgestellte, so be-neidete zarte Frau, diese Königin erschien dem Dichter,wie Frau von Bargeton ihm in Angouleme erschienen warDie Beweglichkeit seines Charakters brachte ihn schnelldazu, sich diese hohe Gönnerin zu wünschen; das sichersteMittel dazu war, das Weib zu besitzen, dann hätte er alles.Es war ihm in Angouleme geglückt, warum nicht ebenso