Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
222
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Es war nichts Auffallendes an ihnen, und doch zog allesden Blick an. Ihr Luxus von heute war der von gesternund würde morgen der nämliche sein. Lucien kam da-hinter, daß er wie ein Mann aussah, der sich zum erstenmalim Leben angezogen hat.

„Mein Lieber," sagte Marsay zu Felix von Vandenesse,„dieser kleine Rastignac steigt wie ein Drachen in dieHöhe! Da ist er bei der Marquise von Listomere, er machtFortschritte, er betrachtet uns mit dem Opernglas! B rkennt wohl den Herrn?" fügte der Dandy hinzu undwandte sich zu Lucien, ohne ihn anzusehen. „Es wäreunwahrscheinlich," erwiderte Frau von Bargeton, „wennder Name des großen Mannes, auf den wir stolz sind,nicht bis zu ihm gedrungen wäre: seine Schwester warjüngst dabei, wie Herr von Rubempre uns sehr schöneGedichte vorlas."

Felix von Vandenesse und Herr von Marsay grüßten dieMarquise und begaben sich in die Loge der Frau von Listo-mere, die die Schwester der Vandenesse war. Der zweiteAkt begann und man Heß Madame d'Espard, ihre Cousineund Lucien allein. Die einen begaben sich zu den Frauen,die neugierig waren, zu wissen, wer Frau von Bargetonwar, und erklärten ihnen die Sache, die andern erzähltenvon der Ankunft des Dichters und machten sich über seinenAnzug lustig. Canalis ging wieder in die Loge der Herzoginvon Chaulieu und kam nicht wieder. Lucien war glücklichüber die Ablenkung von der Bühne her. Die Befürchtungender Frau von Bargeton in bezug auf Lucien wurden durchdie Beachtung gesteigert, die ihre Cousine dem Baron duChätelet geschenkt hatte, und die von ganz anderer Artwar, als ihre gönnerhafte Höflichkeit gegen Lucien.Während des zweiten Akts blieb die Loge der Frau vonListomere voller Leute, und es schien dort ein lebhaftesGespräch im Gange, in dem es sich um Frau von Bargeton222