Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
218
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von Canalis, einer der berühmtesten Dichter dieser Zeit,ein junger Mann im ersten Beginn seines Ruhmes, derstolzer auf seinen Adel als auf sein Talent war. Er spielteden Courmacher von Madame d'Espard, um seine Leiden-schaft für die Herzogin von Chaulieu zu verstecken. Mankonnte trotz seines anmutigen Wesens, das nicht ohneGeziertheit war, den brennenden Ehrgeiz merken, der ihnspäter in das Tosen des politischen Lebens hineinwarf.Seine beinahe niedliche Schönheit, seine zarten Manierenvorhüllten nur schlecht einen tiefen Egoismus und dasunaufhörliche Rechnen einer damals noch fraglichen Exi-stenz; aber der Umstand, daß er sich Frau von Chaulieu,eine Frau von über vierzig Jahren, erkoren hatte, trug ihmbereits Belohnungen von Seiten des Hofes, den Beifall desFaubourg Saint-Germain und Beschimpfungen von Seitender Liberalen ein, die ihn den Pfaffendichter nannten.

Als Frau von Bargeton diese vier hervorragenden Ge-stalten sah, wurde ihr die geringe Aufmerksamkeit derMarquise für Lucien erklärlich. Als dann die Unterhaltungbegann, als jeder dieser feinen gewandten Köpfe sich durchWendungen ins rechte Licht setzte, die mehr Witz undmehr Tiefe hatten, als alles, was Anaiis während einesganzen Monats in der Provinz gehört hatte; als insbeson-dere der große Dichter in seiner suggestiven Art ein paarWorte sagte, in denen das Positive der ganzen Zeit lag,aber noch vergoldet von der Poesie, da begriff Louise, wasihr Chätelet am Tage vorher gesagt hatte; Lucien warnichts mehr. Jeder betrachtete den armen Unbekanntenmit so grausamer Gleichgültigkeit, er stand so ganz wieein Ausländer da, der die Sprache nicht verstand, daßdie Marquise Mitleid mit ihm hatte.

„Gestatten Sie," sagte sie zu Canalis, „Ihnen Herrn vonRubempre vorzustellen. Sie nehmen in der literarischenWelt eine so hohe Stellung ein, daß Sie einen Anfänger218