Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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gesellen. Lucien setzte sich hinter Frau von Bargeton aufeinen Stuhl und war zufrieden, daß er im Dunkel saß.

„Herr von Rubempre," sagte die Marquise in sehr freund-lichem Tone, „Sie besuchen die Oper zum erstenmal, Siemüssen alles sehen. Nehmen Sie diesen Platz, setzen Siesich nach vorn, wir erlauben es Ihnen."

Lucien gehorchte. Der erste Akt der Oper näherte sichdem Ende.

„Sie haben Ihre Zeit gut angewendet," sagte ihm Louiseim ersten Augenblick der Überraschung über die Ver-änderung, die mit Lucien vorgegangen war, ins Ohr.

Louise war dieselbe geblieben. Die Nachbarschaft einerModedame, der Marquise d'Espard, dieser Frau von Barge-ton von Paris, schadete ihr sehr. Die brillante PariserinHeß die Unvollkommenheiten der Provinzdame so hervor-treten, daß Lucien, der auf doppelte Weise, von den vor-nehmen Schönen dieses pompösen Saals und von dieseraußergewöhnlichen Frau, auf den Gegensatz aufmerksamgemacht wurde, endlich in der armen Anaiis von Negre-pelisse die Frau sah, wie sie wirklich war, und wie die Pa-riser sie sahen. Eine große, magere Frau mit rotem Teint,die verblüht war, fuchsblondes Haar hatte, deren Figureckig und steif war, die eine gezierte und bombastische,völlig provinzmäßige Art zu sprechen hatte, und die vorallem schlecht gekleidet war! Wirklich, die Falten einesaltmodischen Kleides von Paris zeugen noch von Ge-schmack, man kann etwas damit anfangen, man ahnt,was es einmal war, aber ein altmodisches Provinzkleid istunmöglich, ist lächerlich. Das Kleid und die Frau ließenjede Grazie und Frische vermissen, der Samt war ebensowie der Teint alt und fleckig. Lucien schämte sich, dieseGestalt von Fischbein gebebt zu haben, und nahm sichvor, den ersten Tugendanfall seiner Louise zu benutzen,um sie zu verlassen. Mit seinen vorzüglichen Augen sah

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