Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
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gnomien zu sehen, gibt ihnen eine konventionelle Schön-heit. Eine Frau, die in der Provinz für hübsch gilt, erlangt,wenn sie nach Paris verpflanzt wird, nicht die geringsteAufmerksamkeit, denn sie ist nur schön im Sinne desSprichworts: Unter den Blinden ist der Einäugige KönigeLuciens Augen machten die Vergleichung, die Frau vonBargeton am Tage vorher zwischen ihm und Chätelet an-gestellt hatte. Ihrerseits überließ sich Frau von Bargetonseltsamen Gedankengängen über ihren Gehebten. Der arnieDichter war zwar auffallend schön, aber er hatte nicht dieSpur einer Haltung. Sein Gehrock, dessen Ärmel zu kurzwaren, seine kläglichen Provinzhandschuhe, seine Weste,die zu knapp war, ließen ihn neben den jungen Leutenim ersten Rang sehr lächerlich erscheinen. Frau vonBargeton fand, daß er eine klägliche Figur machte. Chä-telet, der ohne Ansprüche um sie beschäftigt war, der fürsie so liebevoll sorgte und damit eine tiefe Leidenschaftverriet, Chätelet, der elegant und behaglich auftrat, wiejemand, der wieder in sein Element gekommen ist, er-oberte in zwei Tagen den ganzen Boden, den er in einemhalben Jahr verloren hatte. Man gibt zwar gewöhnlichnicht zu, daß die Gefühle sich plötzlich ändern, aber es istsicher, daß zwei Liebende sich oft schneller trennen, &l ssie sich gefunden haben. Es bereitete sich bei Frau vonBargeton und bei Lucien eine gegenseitige Enttäuschungvor, deren Ursache Paris war. Das Leben wuchs in denAugen des Dichters, wie die Gesellschaft für Louise einneues Gesicht annahm. Für ihn wie für sie bedurfte esnur eines Zufalls, damit das Band zerschnitten wurde, dassie vereinigte. Dieser Beilhieb, der für Lucien schrecklichwar, ließ nicht lange auf sich warten. Frau von Bargetonbrachte den Dichter in sein Hotel und kehrte in Gesellschaftvon Chätelet zu sich nach Hause zurück, was dem armenLiebhaber äußerst mißfiel.

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