Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
194
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Dieses Wort schien nichts und war alles. Der Barondu Chätelet hatte zu einer Frau von Welt die Sprache derWelt geredet. Er war in der ganzen Eleganz einer PariserKleidung aufgetreten; ein hübsches Kabriolett mit einemschmucken Pferd davor hatte ihn hergebracht. Zufälligstellte sich Frau von Bargeton ans Fenster, um über ihreLage nachzudenken, und sah den alten Stutzer abfahren-Einige Augenblicke später stellte sich Lucien, der plötz-lich geweckt worden war und sich eilig angezogen hattftin seiner Nankinghose vom vorigen Jahre und seine 10kümmerlichen Rock vor ihre Blicke. Er war schön, aberlächerlich gekleidet. Man ziehe den Apollo des Belvedereoder den Antinous als Wasserträger an, wer wird danndie göttliche Gestalt des griechischen oder römischenMeißels erkennen? Die Augen vergleichen, ehe das Herzdas rasche mechanische Urteil richtig gestellt hat. D erGegensatz zwischen Lucien und Chätelet war zu heftig«als daß er nicht die Augen Louisens frappieren mußte. Alsgegen sechs Uhr das Diner zu Ende war, winkte Frau vonBargeton Lucien zu sich auf ein erbärmliches Kanapeeaus rotem gelbgeblümtem Kattun, auf das sie sich gesetzthatte.

„Mein Lucien," sagte sie, „meinst du nicht, wenn wir eineTorheit begangen haben, die uns beide in gleicher Weisein tödliche Gefahr bringt, daß es vernünftig ist, sie wiedergutzumachen? Liebes Kind, wir dürfen in Paris nichtzusammen wohnen, und dürfen nicht den Verdacht auf-kommen lassen, daß wir zusammen hierher gekommen sind.Deine Zukunft hängt sehr von meiner Stellung ab, und ichdarf sie auf keine Weise aufs Spiel setzen. Ich werde miralso noch heute abend ein paar Schritte von hier eineWohnung nehmen, aber du bleibst in diesem Hotel wohnen,und wir können uns alle Tage sehen, ohne daß jemandetwas dagegen sagen kann."194