Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
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meinen Gedanken ist, werden Sie nie meiner würdig sein."„Sie setzen Zweifel in meine Liebe, um der Antwort ent-hoben zu sein," sagte Luoien und warf sich ihr schluchzendzu Füßen.

Der arme Bursche weinte ernsthaft, da er sich solange Zeit aus dem Paradiese ausgeschlossen sah. Eswaren Tränen eines Dichters, der sich in seiner Machtgedemütigt glaubte, Tränen eines Kindes, das außer sichgerät, weil man ihm ein Spielzeug, das es begehrt, ver-weigert.

„Sie haben mich nie geliebt!" rief er. „Sie glauben nicht,was Sie sagen," antwortete sie. Sie war glücklich überdieses Ungestüm. „So beweisen Sie mir doch, daß Siemir gehören," rief Lucien, dem die Haare wild ums Ge-sicht hingen.

In diesem Augenblick war Stanislaus geräuschlos hinzu-getreten, sah Lucien halb zu Boden hegend, mit Tränen inden Augen und dem Kopf auf Louisens Knie. Mit diesemAnblick, der verdächtig genug war, zufriedengestellt,wandte sich Stanislaus heftig Chätelet zu, der an derTür des Salons stehengeblieben war. Frau von Bargetonstürzte eilends hinaus, aber sie erreichte die beiden Spionenicht mehr, die sich, wie jemand, der nicht gelegen kommt,schleunigst zurückgezogen hatten.

„Wer war denn hier?" fragte sie ihre Leute. „Die Herrenvon Chandour und du Chätelet," antwortete Gentil, ih 1 'alter Kammerdiener.

Sie kehrte bleich und zitternd in ihr Boudoir zurück-

„Wenn sie Sie so gesehen haben, bin ich verloren," sagtesie zu Lucien. „Um so besser!" rief der Dichter.

Sie lächelte bei diesem Ausruf des Egoismus, in dem soviel Liebe lag. In der Provinz wird ein solches Abenteuerschlimmer durch die Art, wie es erzählt wird. In einemAugenblick erfuhr alle Welt, Lucien wäre ertappt worden,

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