Lucien durfte sie erst nach etlichen Siegen verdienen; ermußte erst das .himmlische Kind', Lamartine, Walterkcott, Byron überwinden. Die edle Frau betrachtete ihreLiebe wie ein erhabenes Prinzip: die Wünsche, zu denens ie Lucien brachte, mußten ihn dazu bringen, sich Ruhmzu erwerben. Diese weibliche Donquichotterie ist ein Ge-fühl, das der Liebe eine ansehnliche Weihe gibt, sie machtsie nutzbringend, groß und ehrenvoll. Sie hatte es sich inden Kopf gesetzt, im Leben Luciens sieben oder acht Jahredie Rolle der Dulzinea zu spielen, und wollte, wie vielebrauen der Provinz, ihre Person durch eine Art Leib-e igenschaft, durch eine Zeit der Treue erkaufen lassen,die es ihr möglich machte, ihren Freund von Grund auskennen zu lernen.
Als Lucien den Kampf mit einer der prahlerischen Über-treibungen begonnen hatte, über die die Frauen, die nochfrei über sich selbst verfügen, lachen, und die nur diebrauen, die sich hingegeben haben, betrüben, nahm Louiseeine würdige Miene an und begann eine ihrer langen, mitPomphaften Worten gespickten Reden.
>,Halten Sie so Ihr Versprechen, Lucien?" sagte sieschließlich. „Sie dürfen in eine so süße Gegenwart nichtGewissensbisse hineinbringen, die später mein Leben ver-giften würden. Verderben Sie nicht die Zukunft! und, ichSa ge es mit Stolz, verderben Sie nicht die Gegenwart!ttaben Sie nicht mein ganzes Herz, was fehlt Ihnen dennHoch? Läßt sich wirklich Ihre Liebe von den Sinnen be-e influssen, während es das schönste Vorrecht einer ge-webten Frau ist, ihnen Ruhe zu gebieten? Wofür halten°ie mich denn? Bin ich nicht mehr Ihre Beatrice? Wennich für Sie nicht etwas mehr als ein Weib bin, bin ich weni-ger als ein Weib." „Sie würden zu einem Manne, den Sienicht lieben, nichts anderes sagen," rief Lucien wütend.»Wenn Sie nicht alles fühlen, was an wahrhafter Liebe in
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