Urteile der Fresse.
sittlichen Bildung« eine Grundlage liefert, die die verstandige Erfassung und dauerhafteEinprägung der vorwiirfigen Erkenntnisstoffe ermöglicht. Bei manchem (iliede der ge-bildeten Stände trifft man noch ganz unklare Vorstellungen über die Thätigkeit dermenschlichen Seele und über die Gesetze ihrer Entfaltung. Böhm's Erziehungslehre istdurch die anthropologische Fundierurig des ganzen Erziehungsgesehäftes geeignet, zurVerbreitung diesbezüglicher Aufklärung beizutragen. Der berufsmäfsigo Pädagog undder Anfänger im Erziohungsfache, aber auch gebildete.Eltern werden durch das Studiumder »Praktischen Erziehungslehre«, deren vortreffliche äufsere Ausstattung dem solidenInhalte entspricht, in angenehmer Weise hingeführt zu einem Überblick über die er-probten Grundsätze der allgemeinen und angewandten Erziehung. Gleichmäfsig Fühlunghaltend mit den grundlegenden pädagogischen Hilfswissenschaften und mit einer lebens-vollen Erziohnngspraxis und durchweht von einer edlen, christlichen Gesinnung, nimmtdas in Frage stehende Werk, namentlich in seiner neuesten Gestalt, einen Ehrenplatz inder pädagogischen Literatur der Gegenwart ein und wird deshalb allen, die sich demStudium der hochbedeutsamen Erziehungswissenschaft widmen wollen, angelegentlichstempfohlen.«
Praktische Unterrichtsielire für Seminaristen und Volksschullehrer.Im Verein mit K. Brixle, L. Demolet, K. Fufs, Dr. M. Geistbeck,Dr. Christ. Geyer, P. Hufs, .1. Kb'nig-bauer, K. Le Maire und J. G.Togrel herausgegeben von J. Böhm. Dritte verbesserte und vermehrteAuflage. München, Oldenbourg-, 1896. XYI, 385, 38 und 40 S.
Mteratnrblatt f. katli. Krziclier 189G Nr. 5. »Bezüglich dieses bereits in denfrüheren Ausgaben befürworteten Buches können wir, uns kurz fassen. Es ist ein aufGrund reicher Erfahrungen im praktischen Schulleben zusammengestelltes Werk, dasden Jüngern wie altern Lehrer über die Vorbegriffe und logischen Grundlagen, überZweck, Stoff und-Methode des Unterrichts belehrt, sodann über die praktische Behand-lung der einzelnen Unterrichtsgegenstände unter Beigabe von Lehrproben und dernötigen Literatur zu unterrichten sucht In Bezug auf Katechetik ist gewissenhaft Vor-sorge für katholische und protestantische Schulen geboten. Wir halten das Werk für sowichtig, dafs wir den Wunsch für berechtigt halten, es möge dasselbe auf Kosten derSchulen anzuschaffen sein.«
ComeniuslilHtter 1/2. 1897. «Die vorliegende Unterrichtslehre des hervorragendthätlgen Verfassers, dessen »Erziehungslehre« wir bereits in diesen Blättern besprachen,sucht vor allem den bayerischen Verhältnissen auf dem Gebiete des VolksschulunterrichtsRechnung zu tragen Gleichwohl verdient das Werk auch außerhalb dieses Landes ein-gehendere Beachtung. In der Einleitung gewinnt der Herausgeber zunächst den Begriffdes erziehenden Unterrichts und geht dann dazu über, seiner Didaktik die nötige Grund-lage in einem kurzen Abrifs der Logik zu geben. Viele der hier gewonnenen Vor-stellungen sind ja für das Verständnis der Unterrichtslehre geradezu unentbehrlich.Diese beginnt dann mit den Abschnitten über Zweck und Stoff des Unterrichts. Wennder Verfasser hierbei Gosundheitslehre, Gesetzeskunde und Handfertigkeitsunterricht alsselbständige Fächer ablehnt und diese Gegenstände mehr gelegentlich im übrigen Unter-richte gepflegt wissen will, so wird man diesen Standpunkt als den praktisch richtigeneinstweilen noch anerkennen müssen. In das Album so mancher Schulbohörden möchtenwir folgenden Satz des Verfassers sehreiben: »Es ist entschieden zweckmftfsiger, wennein Lehrplan das für ein Schuljahr vorschreibt, was man bei normalen Verhältnissenunbedingt verlangen kann, das Minimum. Die Maximalforderung führt leicht zur Über- .anstrengung der Schüler oder zu oberflächlicher Arbeit.« — und den andern: »Die Lehr-pläne sind das Ergebnis fortgehender Arbeit des ganzen Lehrerstandes und seiner Be-hörden.« — Weiterhin folgt die allgemeine Methodik. In der Darstellung derUnterriehtsstufen lehnt sich der Verfasser an Dörpfeld an, dessen drei Stufen »An-schauen, Denken, Anwenden« er sicli aneignet. Von diesen aus gewinnt er übrigensdurch Zergliederung der beiden ersten Stufen in je zwei Unterabteilungen die sogen,fünf normalen Stufen der Herbartsehule. Treffliche Ausführungen enthält der Abschnittüber die aufgebende Lehrform; es ist das Beste und Vollständigste, was uns jemals über(Schul- und Haus-) Aufgabe zu Gesicht gekommen ist. — Nach einem kurzen Abschnittüber die Unterrichtsmittel behandelt ein weiterer die Schulkunde, d. i. Lehrer, Schuleund Schulregiment. Die Anforderungen, die hier der Verfasser an den Lehrer im Unter-richte stellt, reihen sich denen würdig an, die er an don Lehrer als Erzieher richtet, unddie wir bei der Besprechung seiner Erziehungslehre rühmend erwähnten Als zweiterHauptteil des Werkes folgt die spezielle Methodik. Für die Darstellung dieses Teiles hatder Herausgeber hervorragende bayrische Schulmänner gewonnen. Bei jedem Lehrfachewerden Zweck und Nutzen, Lehrstoff und Methode beschrieben; mit Recht ist ein ge-schichtlicher Rückblick auf die Entwicklung der Methode des betreffenden Unterrichts-gegenstandes an das Ende jeden Abschnittes gestellt, wo erst das volle Verständnisdafür zu erwarten ist. Die deutsche Sprache, deren unterrichtlichen ßotrieb Kreisschul-inspoktor Brixle darlegt, macht den Anfang. — In jeder Beziehung anregend undfesselnd geschrieben, namentlich auch im historischen Teil, ist die Methodik desRechnens und der Geometrie von Seminarinspektor Königbaucr; von vollondetor Sach-kenntnis zeugen auch die folgenden Abschnitte, Methodik dos geographischen und ge-schichtlichen Unterrichts, die Seminarinspektor Dr. Gcistbeck bearbeitet hat. Daranroiht sich ebenbürtig die Methodik des naturkundlichen Unterrichts, die von Scminar-präfekt Fufs herrührt. Es folgen die Mothodik dos Schönschreibens und des Gesanges,