VI. Geschichte des Religionsunterrichts. 37
Zukunft liegt vornehmlich darin, dafs er das Katechisiereneifrig übte und lehrte. Des I. T. Kambach »Wohlunter-richteter Katechet« eröffnet auf der von Spener geschaf-fenen Grundlage die selbständige Behandlung der Katechetik.Spener wird ergänzt durch den trefflichen A. H. Francke(f 1727 in Halle), welcher nicht nur das Bibellesen in derSchule empfahl und der Liederklärung seine Aufmerk-samkeit zuwendete, sondern auch auf die Wichtigkeit vonKupfertafeln für den geschichtlichen Religionsunterrichthinwies. Im Eifer für die Ausbildung tüchtiger Lehrerund Katecheten trat er das Erbe Speners an. An denUniversitäten begann man seitdem katechetische Vorlesungenzu halten. Eine dauernde Stelle im Schulunterricht erlangtedie biblische Geschichte durch den Hamburger Rektor Hübnerdessen »Zweimal 52 auserlesene biblische Historien« (1714)ein Musterbuch wurden. Die Hübner'sche Methode, die ein-zelnen Geschichten zu gliedern und ihnen nützliche Lehrenzu entnehmen, wies der unterrichtlichen Behandlung denWeg, welcher sich bis zur Gegenwart immer wieder als derrichtige bewährt hat.
Was der Pietismus erarbeitet hatte, machte JuliusHecker im preufsischen Schulreglement von 1763 im grofsenfür die Praxis nutzbar. Die Wirkung des Pietismus wärenachhaltiger gewesen, wenn nicht vielfach das erbaulicheund erweckliche Moment des Unterrichts bis zu ungesunder Ein-seitigkeit betont worden wäre.
8. Im Gange der Kirchengeschichte wird der Pietismusvom Rationalismus abgelöst, Avelcher das Christentum mitder natürlichen Religion gleich setzte. Bedeutet demnach derRationalismus einen Abbruch von dem eigentlichen Wesendes Christentums, so haben sich seine Vertreter doch um diemethodische Behandlung des religiösen UnterrichtsVerdienste erworben. Der eigentliche Begründer der dieseEpoche beherrschenden Methode war der seiner religiösenRichtung nach übrigens nicht zum Rationalismus gehörigeProfessor der Theologie Lorenz von Mosheim (f 1755 inGöttingen). Sie heilst die »sokratische«, weil der Lehrer aus-gehend von dem, was den Schülern bekannt ist, »durch be-deutsames und weises Fragen« dieselben dazu führt, dafs